Das Cap Sizun ist weit mehr als eine spektakuläre Küstenlandschaft – es ist ein lebendiges Ökosystem, in dem Land und Meer auf faszinierende Weise aufeinandertreffen.
Während über Ihren Köpfen Möwen kreisen und die Klippen von Seevogelkolonien belebt werden, verbirgt sich unter der Wasseroberfläche eine ganz eigene Welt. Wer sich die Zeit nimmt, die Küstengewässer aufmerksam zu beobachten, wird schnell feststellen, dass wir hier nicht allein sind.
Die Natur der Bucht von Audierne bietet Rückzugsorte für Arten, die man anderswo in Europa nur noch selten zu Gesicht bekommt.
Wenn Sie am Vormittag oder in der Abenddämmerung entlang der Küstenpfade unterhalb unserer Häuser spazieren gehen, lohnt sich ein wachsamer Blick auf die Wellen. Mit etwas Glück entdecken Sie dunkle Punkte, die rhythmisch im Wasser auf- und wieder abtauchen: Es sind die neugierigen Nasen der Kegelrobben, die hier in der Bucht von Audierne zu Hause sind.
Ein Schläfchen in den Wellen Die Robben lassen sich oft völlig entspannt im Wasser treiben. Meist verrät nur die markante, lange Schnauze, wer dort gerade ein Nickerchen in der Strömung hält. Es ist ein magischer Moment, wenn man sie anspricht – oft heben sie dann den Kopf und blicken mit ihren großen, dunklen Kulleraugen zur Küste herauf, als wollten sie prüfen, wer sie da in ihrer Ruhe stört.
Das Dilemma mit den Fischern Doch so charmant diese Begegnungen für uns Naturfreunde sind, so konfliktträchtig sind sie für die lokale Fischerei.
In der Bucht von Audierne gelten die Kegelrobben nicht nur als Sympathieträger, sondern auch als geschickte „Plünderer“. Immer häufiger dringen sie direkt in die Netze ein, um sich dort ohne Mühe an einem Festmahl zu bedienen. Für die Fischer ist das oft existenzbedrohend: Ein einziger Beutezug kann den Fang eines ganzen Tages – bis zu 300 Kilogramm Fisch – vernichten oder die Netze unbrauchbar machen.
Ein hoffnungsvoller Trend Obwohl die Bestände streng geschützt sind, bleibt die Population in der Bretagne exklusiv. Die größte französische Kolonie lebt im nahegelegenen Mer d'Iroise und umfasst etwa 150 Tiere. Im europaweiten Vergleich ist das zwar eine kleine Gruppe, doch die Tendenz ist erfreulich: Die Zahlen der wunderschönen Meeressäuger steigen stetig an und machen das Cap Sizun zu einem immer wichtigeren Refugium für diese Art.
Eine männliche Kegelrobbe vom Vorjahr beim Sonnenbad im Februar
Ein kurzes Aufblitzen im Blau des Meeres, eine elegante Bewegung – wer auf dem Küstenwanderweg unterwegs ist und den Blick über das Wasser schweifen lässt, kann Zeuge eines besonderen Naturschauspiels werden. Wenn plötzlich zahlreiche graue Rückenflossen in einer der geschützten Buchten entlang der Steilküste auftauchen, schlägt das Herz jedes Naturfreundes höher.
Kein Grund zur Sorge: Es sind die Jäger der Makrelenschwärme.
Auch wenn die markanten Flossen im ersten Moment an Haie erinnern mögen, besteht am Cap Sizun kein Grund zur Sorge. Es sind nur die Delfine, die hier in Küstennähe auf Jagd gehen. Sie folgen den riesigen Schwärmen von Sardinen und Makrelen, die in den nährstoffreichen Gewässern der Bretagne Nahrung finden. Oft ziehen die Gruppen (Schulen) direkt unterhalb der Klippen vorbei, sodass man ihr Schnaufen und das rhythmische Auf- und Abtauchen ihrer Köpfe perfekt beobachten kann.
Artenspektrum: Vom Klassiker zum Exoten Meistens sind es die „Gewöhnlichen Delfine“, die für die flinken Bewegungen und Sprünge in der Bucht bekannt sind. Doch wer ganz besonders großes Glück hat, kann eine weitaus seltenere Art entdecken: den Risso-Delfin (auch Rundkopfdelfin genannt).
Der Rundkopfdelfin: Ein seltener Gast Diese Tiere unterscheiden sich deutlich von ihren Verwandten:
Die Kopfform: Er ist stark abgerundet und besitzt nicht die typische lange Schnauze, was ihm fast das Aussehen eines kleinen Wals verleiht.
Die Rückenflosse: Ihr auffälligstes Merkmal ist die große, steil aufragende Rückenflosse, die am Ende sichelförmig nach hinten gebogen ist.
Die Färbung: Ältere Risso-Delfine wirken oft fast weiß, da ihre Haut von zahlreichen hellen Kratzern und Narben gezeichnet ist – ein faszinierendes Merkmal dieser geheimnisvollen Meeresbewohner.
Die Delfine am Cap Sizun, sie folgen den Fischschwärmen bis nah an die Küste
Das Erscheinen der charakteristischen Rückenflossen ist meist ein sicheres Zeichen dafür, dass Sie auf eine Delfinschule gestoßen sind, die gemeinsam jagt. Haben die Tiere erst einmal einen Schwarm Sardinen oder Makrelen aufgespürt, beginnt ein koordiniertes und fürstliches Mahl. Es ist faszinierend zu beobachten, wie strategisch und gleichzeitig voller Leichtigkeit die Gruppe bei der Jagd vorgeht.
Eleganz pur: Auftauchen und Durchatmen: Inmitten der Wellen gleiten diese wunderschönen Tiere mit einer spielerischen Eleganz dahin. Wer in diesem Moment ganz still am Klippenrand steht und sie beobachtet, kann oft ein charakteristisches Geräusch hören: das kräftige Ausstoßen der verbrauchten Luft durch das Blasloch, gefolgt von einem tiefen, frischen Atemzug, bevor der glatte Rücken wieder silbrig glänzend in den Fluten verschwindet. Ein Anblick, der die Zeit für einen Moment stillstehen lässt.
Wenn Sie Delfine vor der Küste entdecken, gönnen Sie sich eine Pause: Halten Sie an, suchen Sie sich einen Platz auf einem der Felsen am Küstenweg und lassen Sie dieses besondere Schauspiel auf sich wirken.
Der Zauber des Augenblicks: Genießen Sie jede Sekunde, denn die Begegnungen mit den Delfinen sind oft flüchtig. Meist bleiben die schönen Tiere nicht allzu lange in einer Bucht. Wenn sie nach einer intensiven halben Stunde genug gejagt und gespielt haben, zieht die Schule weiter – immer der Küste des Caps folgend, oder hinaus in Richtung Île de Sein, auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer.
Es sind diese flüchtigen Momente, die den Urlaub am Cap Sizun so unvergesslich machen. Jeder Gast, der bisher das Glück hatte, den Delfinen zu begegnen, war berührt von der magischen Aura dieser eleganten und sanften Meeresbewohner.
Trotz der idyllischen Beobachtungen darf eine traurige Tatsache nicht unerwähnt bleiben. Die Gewässer vor der bretonischen Küste und der gesamten Biskaya sind für diese intelligenten Tiere zunehmend gefährlich geworden. Was in der öffentlichen Wahrnehmung oft im Hintergrund bleibt, ist die existenzielle Bedrohung durch die kommerzielle Fischerei.
Das unsichtbare Sterben in den Netzen: Jedes Jahr geraten Tausende von Delfinen als ungewollter Beifang in die riesigen Schleppnetze der industriellen Fischfangflotten. Die Organisation Sea Shepherd und andere Umweltschützer weisen regelmäßig auf die dramatischen Zustände hin:
Tödliche Fallen: Die Tiere verfangen sich in den Netzen, können zum Atmen nicht mehr an die Oberfläche steigen und ertrinken qualvoll.
Sichtbare Spuren: Viele der an die Küsten der Bretagne angespülten Kadaver zeigen deutliche Spuren dieses Überlebenskampfes – Abdrücke von Netzmaschen oder Verletzungen durch Haken, mit denen die Tiere von den Schiffen entfernt wurden.
Erschreckende Zahlen Die Statistiken der letzten Jahre zeichnen ein düsteres Bild. Allein zwischen Dezember 2022 und Ende Februar 2023 schätzten Experten die Zahl der durch die kommerzielle Fischerei getöteten Delfine in der Biskaya auf 2.000 bis 4.000 Tiere. Die Dunkelziffer der auf hoher See versinkenden Tiere dürfte weit höher liegen.
Diese Fakten machen deutlich, wie wertvoll – und gleichzeitig zerbrechlich – jede einzelne Begegnung mit den Delfinen am Cap Sizun ist. Sie erinnern uns daran, wie wichtig der Schutz unserer Meere und ein bewussterer Umgang mit deren Ressourcen sind.
Totes Delfinweibchen mit deutlichen Spuren seines Leidensweges
Crédit Photos : Tara Lambourne / Sea Shepherd
Wer sich für das Thema interessiert, der kann die aktuelle Lage im Kampf gegen das sinnlose Sterben der Delfine immer auf der Seite von Sea Shepherd verfolgen: http://www.seashepherd.fr/ oder https://sea-shepherd.de/
Sea Shepherd ist eine absolut unerstützenswerte Organisation.
Das Cap Sizun ist nicht nur Schauplatz für Meeressäuger, sondern auch eine der wichtigsten Adressen für die Vogelbeobachtung in der Bretagne.
Natürlich werden Sie während Ihres Urlaubs überall auf die verschiedenen Möwenarten treffen, deren Rufe untrennbar mit dem Rauschen der Brandung verbunden sind. Doch wer etwas genauer hinsieht, entdeckt eine beeindruckende Vielfalt an spezialisierten Seevögeln.
Silbermöwe in Guilvinec
Besonders spannend für Vogelbeobachter ist das Cap in den Monaten Januar bis einschließlich März. In diesem Zeitraum herrscht reges Treiben in der Luft, wenn viele Arten ihre Brutplätze vorbereiten oder auf ihrem Zugweg hier Rast machen.
Logenplätze an der Steilküste Man muss nicht zwingend ein Boot chartern, um die Vögel hautnah zu erleben. Die weit ins Meer hineinragenden Landzungen, die sogenannten Pointes, bieten natürliche Aussichtsplattformen:
Pointe de Feunteun Aod: Dieser Ort ist ein echter Geheimtipp. Er liegt versteckt zwischen Plogoff und der berühmten Pointe du Raz.
Beobachtungspunkte: Für Hobbyornithologen ist dies ein bevorzugter Spot, da man hier – zur richtigen Jahreszeit – innerhalb kürzester Zeit hunderte von Seevögeln vorbeiziehen sehen kann.
Seltene Gäste: Mit etwas Geduld und einem Fernglas lassen sich hier auch seltenere Arten beobachten, die man an touristisch erschlossenen Küstenabschnitten kaum noch findet.
Silbermöwe in Goulien
Ein absolutes Muss für jeden Natur- und Vogelbeobachter ist die Réserve du Cap Sizun. Dieses renommierte Vogel- und Naturschutzgebiet liegt an der Nordküste des Caps bei Goulien, nur ein kurzes Stück von Audierne entfernt.
Hier wird Naturschutz erlebbar gemacht: Die Réserve schützt die rauen Steilwände, die jedes Jahr unzähligen Seevögeln als sichere Brutstätte dienen.
Ein Besuch im Vogelschutzgebiet ist ein Erlebnis für die ganze Familie. Gut ausgebaute Pfade führen entlang der Klippen, und an speziellen Beobachtungspunkten hat man eine gute Sicht auf die nistenden Seevögel.
Was gibt es zu sehen? Besonders im Frühling und Frühsommer herrscht hier eine unglaubliche Dynamik, wenn Dreizehenmöwen, Trottellummen und die seltenen Alpenkrähen in den schwindelerregenden Felswänden nisten.
Tipp: Nehmen Sie unbedingt ein Fernglas mit! Die Aussicht auf die zerklüftete Küste ist spektakulär, und die fachkundigen Mitarbeiter des Reservats geben in den entsprechenden Monaten vor Ort gerne Auskunft über die aktuellen Brutbestände.
Die Réserve du Cap Sizun in Goulien
Die Liste der Bewohner und Durchzügler am Cap Sizun liest sich wie ein „Who is Who“ der europäischen Seevögel. Ob direkt auf den Felsen, im Flug über der Brandung oder bei der Nahrungssuche im Watt – die Vielfalt ist beeindruckend:
An den Klippen & auf dem Meer: Kormorane, Basstölpel, Tordalke und Trottellummen.
An den Stränden & im Watt: Austernfischer, Steinwälzer, Sanderlinge und verschiedene Schnepfenarten.
Die Akrobaten der Lüfte: Elegante Seeschwalben und eine enorme Vielfalt an Möwen – von der kleinen Zwergmöwe und Lachmöwe über Dreizehenmöwen bis hin zu den stattlichen Silber-, Herings- und Mantelmöwen.
Austernfischer unterhalb unserer Ferienhäuser bei Niedrigwasser vor Kersiny
Ein ganz besonderes Highlight erwartet Sie im April. An manchen Tagen lässt sich ein beeindruckendes Naturereignis beobachten: Hunderte von Basstölpeln ziehen in Formationen vor der Küste entlang.
Diese imposanten Vögel befinden sich auf ihrer langen Rückreise von den Kanarischen Inseln zu ihren sommerlichen Brutgebieten auf den Sept Îles in der Nordbretagne. Es ist ein faszinierender Anblick, wenn diese großen, hellen Vögel mit ihren schwarzen Flügelspitzen majestätisch an den Klippen des Caps vorbeigleiten.
Die schönen Baßtölpel kann man am Cap Sizun vor allem im Frühjahr beobachten
Mit ein bisschen Glück trifft man aber auch auf Eistaucher, Sterntaucher, Atlantik-Sturmtaucher, Prachttaucher, Haubentaucher, Eiderenten, Trauerenten, Eissturmvögel, Sturmschwalben und große Raubmöwen.
Links Haubentaucher, rechts große Raubmöwe
Eleganz im flachen Wasser Dort, wo das Wasser nur noch knöcheltief über den Sand und die Felsplatten gleitet, gehen verschiedene Reiherarten auf die Jagd. Es ist faszinierend zu sehen, mit welcher Geduld und Präzision sie ihre Beute aufspüren:
Der Graureiher: Majestätisch und fast unbeweglich verharrt er wie eine Statue, bis er blitzschnell mit seinem dolchartigen Schnabel zustoßt.
Der Seidenreiher: Er ist der kleinere, zierlichere Verwandte. Mit seinem strahlend weißen Gefieder ist er im flachen Wasser kaum zu übersehen. Oft durchwatet er das Niedrigwasser etwas lebhafter als der Graureiher, immer auf der Suche nach kleinen Fischen und Krebstieren.
Die Tiere haben sich an die Spaziergänger gewöhnt und lassen sich meist kaum bei ihrem „Abendessen“ stören – ein idealer Moment, um das Fernglas auszupacken oder in aller Ruhe Fotos zu machen.
Reiher auf Beutezug vor der Plage de Kersiny
Der Seidenreiher ist ein kleiner Vertreter seiner Art, aber sehr hübsch anzusehen. Auch er ist regelmäßig bei Niedrigwasser auf Beutezug
Ein Kormoran beim Trocknen seines Gefieders nach dem Beutezug
Kormorane im Hochzeitskleid zur Paarungszeit Ende Februar
Wer bei Ebbe über die Felsplatten und den Meeresboden vor der Küste wandert, entdeckt in den kleinen verbliebenen Wasserlöchern in den Felsen oft farbenfrohe Gebilde, die an exotische Blüten erinnern.
Schaut man sich eine Seeanemone mit ihren filigranen, sich sanft in der Strömung wiegenden Fangarmen an, denkt man – bestärkt durch den Namen – sofort an eine Unterwasserblume.
Actinia equina bei Ebbe am Strand von Kersiny in einem Wasserloch
Doch der Schein trügt: Auch wenn sie zur Klasse der „Blumentiere“ gehören, handelt es sich bei diesen anmutigen Wesen um echte Tiere. Die vermeintlichen „Blütenblätter“ sind in Wahrheit hochspezialisierte Fangschläuche, mit denen sie nach winziger Nahrung fischen.
Weltweit bevölkern etwa tausend Arten die Ozeane – von den tropischen Korallenriffen bis hin zu den eisigen Tiefen der Meere. Hier am Cap Sizun beeindrucken sie vor allem als wahre Überlebenskünstler:
Ebbe und Flut: Viele Arten haben sich perfekt an das Leben in der Gezeitenzone angepasst. Sie können bei Ebbe sogar einige Zeit oberhalb der Wasserlinie überleben, indem sie ihre Fangarme einziehen und sich in eine schützende, gallertartige Form zurückziehen.
Zum Greifen nah: Um diese faszinierenden Geschöpfe zu bewundern, müssen Sie nicht einmal die Taucherbrille anlegen. Bei Niedrigwasser verwandeln sich die Senken in den Felsen vor unserer Küste in kleine Aquarien, in denen man die bunten Anemonen in aller Ruhe beobachten kann.
Anemonen vor Kersiny
Ein weiterer verbreiteter Trugschluss ist, dass Seeanemonen fest an einer Stelle „angewurzelt“ sind. Auch wenn es für das Auge kaum wahrnehmbar ist: Diese Tiere sind keineswegs standortgebunden.
Die Haftscheibe als Motor: An ihrer Unterseite verfügen sie über eine kräftige Haftscheibe – eine Art Saugfuß aus Muskelgewebe. Dieser dient nicht nur dazu, sich bei stürmischer Brandung felsenfest am Untergrund zu verankern, sondern ermöglicht ihnen auch eine langsame, aber stetige Fortbewegung.
Auf der Suche nach dem besten Platz: Wie in Zeitlupe wandern sie über Felsenriffe und Steine. Ihr Ziel? Die perfekte Position in der Strömung. Sie suchen gezielt nach Plätzen, die ihnen die Nahrung im wahrsten Sinne des Wortes „in die Arme treibt“. Haben sie eine gute Stelle gefunden, entfalten sie ihre Fangschlingen und befördern vorbeischwimmendes Plankton oder kleine Krebse mit einer fast eleganten Leichtigkeit direkt in ihre Mundöffnung in der Mitte der Tentakelkranzes.
Erdbeeranemone bei Ebbe oberhalb der Wasserlinie, die Fangarme eingezogen, bis die Flut kommt
Eine der am häufigsten vorkommenden Arten vor der Küste von Plouhinec ist die faszinierende Pferdeanemone (Actinia equina). Man erkennt sie leicht an ihrer leuchtend roten Farbe und ihrer kompakten Form.
Eine Jägerin mit 200 Fangarmen Täuschen Sie sich nicht in ihrer Schönheit: Die Pferdeanemone ist eine hochspezialisierte Jägerin. Sie ernährt sich von kleinen Fischen, Krebsen und Muscheln. An den Spitzen ihrer bis zu 200 Tentakel befinden sich winzige Giftstacheln. Sobald ein Beutetier die Arme berührt, wird es durch ein lähmendes Gift paralysiert und direkt zur Mundöffnung geführt.
Besonderheit: Leben aus dem Inneren Im Gegensatz zu vielen anderen Blumentieren ist die Pferdeanemone lebendgebärend. Die Larven entwickeln sich geschützt im Inneren des Muttertieres und werden erst in das Meer entlassen, wenn sie bereits vollständig lebensfähig sind.
Überlebenskünstler bei Niedrigwasser Wenn sich das Meer bei Ebbe zurückzieht, zeigt die Pferdeanemone ihre wahre Anpassungskunst:
Der Wasserspeicher: Sie zieht ihre Tentakel komplett ein und schließt sich wie eine kleine, rote Knospe. In ihrem Inneren bewahrt sie dabei einen lebensnotwendigen Wasservorrat auf.
Die Schutzschicht: Um sich vor dem austrocknenden Wind und der Sonne zu schützen, sondert sie einen speziellen Schleim ab. Dieser verleiht ihr bei Ebbe jenen charakteristischen, glänzenden Look, der sie auf den dunklen Felsen wie eine kleine, polierte Tomate oder einen Edelstein wirken lässt.
Anemonen sollte man nicht berühren, denn sie gehören zu den Nesseltieren.
So faszinierend diese kleinen „Meeres-Edelsteine“ auch aussehen: Bitte fassen Sie die Seeanemonen nicht an.
Obwohl sie wie harmlose Pflanzen wirken, gehören diese hübschen Blumentiere – genau wie Quallen – zur Gattung der Nesseltiere. An den Spitzen ihrer Tentakel sitzen unzählige winzige Nesselkapseln. Ein direkter Hautkontakt kann recht schmerzhaft sein und zu Hautreizungen führen.
Genießen Sie den Anblick dieser filigranen Wesen daher am besten mit den Augen oder durch die Kameralinse – so bleiben die Begegnung und der Urlaub gleichermaßen in guter Erinnerung.
Die Natur rund um das Cap bietet nicht nur im Wasser und an den Klippen Lebensraum für seltene Arten.
Auch die Wiesen und Gärten sind erfüllt vom Summen und Flattern zahlreicher Insekten. Besonders die Vielfalt der Schmetterlinge ist beeindruckend und verwandelt die Küstenlandschaft im Sommer in ein buntes Farbenmeer.
Ein besonders prachtvoller Bewohner ist der Schwalbenschwanz.
Mit seinen markanten gelb-schwarzen Flügeln und den namensgebenden Fortsätzen an den Hinterflügeln ist er ein wahrer Blickfang. Wenn die Sonne scheint, können Sie oft in den Gärten der Ferienhäuser beobachten, wie diese eleganten Falter in den Blumenbeeten nach Nektar suchen.
Es ist ein Moment der absoluten Ruhe, den großen Faltern dabei zuzusehen, wie sie von Blüte zu Blüte ziehen.
Schwalbenschwanz im Blumenbeet vor unserer Terrasse
In den sonnigen Bereichen unserer Gärten können Sie zwischen den Gräsern und Blumen oft ein kleines Kunstwerk der Natur entdecken: das kunstvolle Netz der Wespenspinne (Argiope bruennichi).
Markante Optik, stattliche Größe
Die Wespenspinne gehört zur Familie der Radnetzspinnen und ist ein echter Hingucker. Vor allem die Weibchen beeindrucken durch ihre Größe von bis zu 2,5 Zentimetern und ihre markante, gelb-schwarze Streifenfärbung am Hinterleib. Genau dieses Muster hat ihr auch den Namen gegeben, da es stark an das Kleid einer Wespe erinnert.
Ein friedlicher Gartenbewohner
Trotz ihrer imposanten Erscheinung und ihres wehrhaften Namens besteht kein Grund zur Sorge: Die Wespenspinne ist für den Menschen völlig ungefährlich. Sie verharrt meist geduldig in der Mitte ihres Netzes und wartet auf Beute wie Heuschrecken oder Fliegen. Für Naturbeobachter bietet sie eine wunderbare Gelegenheit, ein Stück "Wildnis" aus nächster Nähe zu betrachten.
Die harmlose und sehr schön anzusehende Wespenspinne ist im Finistère heimisch
Ein ganz besonderes Highlight bei Wanderungen entlang der Küste sind die Westlichen Smaragdeidechsen. Mit ihrer beeindruckenden Größe und ihrer leuchtend grünen Färbung wirken sie fast wie kleine Drachen aus einer anderen Welt und sind ein wahrhaft spektakulärer Anblick.
Wo man sie findet
Die flinken Echsen lieben die Wärme und das Licht des Caps. Ihr Zuhause haben sie in den alten Steinmauern, an sonnigen Trockenböschungen und im dichten Ginster- und Heidekraut, das den Küstenwanderweg säumt.
Ein raschelndes Erlebnis
Wenn Sie an einem sonnigen Tag den Küstenweg entlangspazieren, stehen die Chancen gut für eine Begegnung. Oft sieht man sie, wie sie sich auf den warmen Steinen sonnen. Meist sind sie jedoch sehr scheu: Oft hört man erst ein hastiges Rascheln im trockenen Gebüsch, wenn die flinken Tiere mit blitzschnellen Bewegungen in Sicherheit huschen. Wer sich jedoch ganz ruhig verhält, kann das Glück haben, die Männchen mit ihrer besonders prächtigen, zur Paarungszeit oft tiefblau gefärbten Kehle in voller Pracht zu bewundern.
Die grünen Schönheiten erreichen eine stattliche Größe: Ausgewachsene Exemplare können inklusive ihres langen Schwanzes bis zu 40 Zentimeter messen. Allein der Schwanz macht bei den kräftigen Männchen oft deutlich mehr als die Hälfte der Gesamtlänge aus.
Ein vielseitiger Speiseplan
Smaragdeidechsen sind jedoch nicht nur schön anzusehen, sondern auch hochspezialisierte und blitzschnelle Jäger. Ihre Ernährung ist überraschend vielseitig:
Insekten: Sie erbeuten geschickt alles, was krabbelt oder fliegt.
Kleine Beute: Gelegentlich stehen sogar Jungmäuse oder die Eier anderer Reptilien auf ihrem Speiseplan.
Vegetarische Beilage: Als eine der wenigen Eidechsenarten verschmähen sie auch pflanzliche Kost nicht und fressen zur Ergänzung gerne verschiedene Arten von essbaren Beeren, die sie im Gestrüpp am Cap finden.
Während viele der tierischen Bewohner des Caps das Sonnenlicht lieben, zeigt sich ein anderer ganz besonderer Gast bevorzugt in der Dämmerung:
Der Feuersalamander. Während er in Deutschland leider immer seltener wird, trifft man ihn im Finistère glücklicherweise noch sehr häufig an.
Ein unverwechselbares Erscheinungsbild
Mit seiner glänzend schwarzen Haut und den leuchtend gelben Flecken oder Streifen ist er vollkommen unverwechselbar. Diese Signalfarben dienen in der Natur als Warnung: „Achtung, ich bin ungenießbar!“
Wer in den frühen Morgenstunden oder in der sanften Abenddämmerung unterwegs ist – besonders wenn es zuvor leicht geregnet hat –, kann die Tiere bei ihrem Beutezug beobachten.
Heimliche Nachbarn
Feuersalamander lieben kühle, feuchte Verstecke. Man findet sie oft an ganz alltäglichen Orten:
In den Schächten der Wasseranschlüsse.
In alten Brunnenlöchern oder feuchten Mauerspalten.
In geschützten Erdlöchern unter Wurzeln.
Es ist immer wieder ein kleiner Glücksmoment, wenn man einem dieser „Lurche des Feuers“ begegnet, wie er lautlos durch das feuchte Gras gleitet.
Ein Feuersalamander unterwegs im Garten
Ein deutliches Warnsignal
Die leuchtend gelbe Zeichnung auf dem tiefschwarzen Körper ist keine bloße Laune der Natur, sondern eine klare Botschaft an potenzielle Fressfeinde wie Hunde, Katzen oder Füchse: „Halt Abstand, ich bin ungenießbar!“
Der Salamander produziert über Hautdrüsen ein giftiges Sekret, das ihn vor Angreifern schützt. Für uns Menschen ist der Kontakt mit diesem Sekret bei einer Begegnung jedoch harmlos. Man sollte lediglich darauf achten, sich nach einer (unwahrscheinlichen) Berührung nicht in die Augen zu fassen und das Tier natürlich stets in Ruhe seines Weges ziehen zu lassen.
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