Ganz in der Nähe der Monts d'Arée befinden sich mehrere sehenswerte umfriedete Pfarrbezirke - enclos paroissiaux , die auf jeden Fall einen Besuch wert sind.
Der umfriedete Pfarrbezirk von Pleyben
Nur etwa zwanzig Minuten von den Monts d’Arrée entfernt, liegt das charmante 4.000-Einwohner-Städtchen Pleyben. Es beherbergt einen der prachtvollsten umfriedeten Pfarrbezirke der Bretagne, der seit Generationen Besucher aus aller Welt in seinen Bann zieht.
Man betritt den ungewöhnlich weitläufigen Pfarrhof durch ein monumentales Triumphtor aus dem Jahr 1725. Dahinter offenbart sich das Herzstück der Anlage: der imposante Calvaire (Kalvarienberg). An diesem steinernen Meisterwerk wurde ab dem Jahr 1555 fast zweihundert Jahre lang gebaut, was die Detailtiefe der biblischen Szenen eindrucksvoll erklärt.
Die Mitte des 16. Jahrhunderts errichtete Kirche ist ein architektonisches Unikat. Besonders hervorzuheben sind:
Die Silhouette: Mit ihren drei markanten Türmen und der seltenen, kuppelartigen Sakristei prägt sie das Stadtbild.
Das Interieur: Im Inneren strahlen wunderschöne Glasfenster um die Wette.
Die Schnitzkunst: Einzigartig ist das Gesims mit seinen kunstvoll geschnitzten Figuren. Diese stellen nicht nur biblische Szenen und Mythen dar, sondern geben auch faszinierende Einblicke in das tägliche Leben der Bretonen jener Zeit.
Ein weiteres Juwel des Ensembles ist das Beinhaus von Pleyben. Erbaut im Jahr 1515, gilt es als das älteste seiner Art in der Bretagne. Mit seiner spätgotischen Eleganz zählt es zweifellos zu den schönsten Beispielen bretonischer Sakralarchitektur.
Ein absolutes Muss nach dem Kulturprogramm ist der Besuch der Chocolaterie Chatillon, die sich direkt am Marktplatz befindet. Seit 1965 werden hier handwerkliche Köstlichkeiten gefertigt.
Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen: In der gläsernen Manufaktur können Sie den Konditoren bei der Arbeit zusehen und in einer Video-Präsentation mehr über die Kunst der Schokoladenherstellung erfahren. Besonders bekannt ist das Haus für seine Florentiner (knusprige Karamell-Mandel-Spezialitäten), den traditionellen Kouign-amann und die Pétales de Crêpes. Nach der (kostenlosen) Besichtigung lädt der Laden dazu ein, ein süßes Souvenir aus der Bretagne mit nach Hause zu nehmen.
Lage: 46 Place Charles de Gaulle (direkt gegenüber dem Kalvarienberg).
Öffnungszeiten: In der Regel ganzjährig geöffnet. In der Hauptsaison (ca. Juni bis September) oft durchgehend von 09:00 bis 19:00 Uhr, in der Nebensaison mit einer Mittagspause (ca. 12:30 – 14:00 Uhr).
Besichtigungszeiten: Die Produktion (Atelier) ist meist bis ca. 15:30/16:00 Uhr aktiv einsehbar; der Video-Raum steht oft länger zur Verfügung.
Commana, Triumphtor
Hoch oben auf einem Hügel am Nordrand der Monts d’Arrée thront der umfriedete Pfarrbezirk von Commana.
Als höchstgelegener Pfarrhof der Bretagne bietet er einen faszinierenden Anblick: Seine stolze Kirchturmspitze scheint förmlich mit den Gipfeln der umliegenden Berge zu wetteifern.
Der im 16. und 17. Jahrhundert entstandene Komplex besticht durch seine Wehrhaftigkeit und spirituelle Kraft:
Das Triumphtor: Der Zugang zum Bezirk erfolgt durch ein massives, fast festungsartiges Tor, das den Übergang zum heiligen Bezirk markiert.
Zwei Calvaires: Ungewöhnlicherweise verfügt Commana über gleich zwei Kalvarienberge, die den weitläufigen Hof schmücken.
Das Beinhaus (1668): Ein architektonisch strenges, aber elegantes Gebäude, das typisch für die Bestattungskultur jener Zeit ist.
Commana
Hinter dem beeindruckenden Südportal verbirgt sich ein Innenraum, der zu den prachtvollsten der Region zählt. Ein absolutes Highlight für jeden Besucher ist der Annenaltar (Autel de Sainte-Anne) aus dem Jahr 1682. Dieses barocke Meisterwerk ist überreich verziert und zeugt von der tiefen Volksfrömmigkeit der Region.
Nur etwa 15 Kilometer von den Monts d’Arrée entfernt, erwartet Sie in Sizun eine architektonische Besonderheit, die sogar nationale Berühmtheit erlangt hat.
Das Triumphtor von Sizun gilt als eines der harmonischsten und beeindruckendsten Bauwerke der Renaissance in der Bretagne. Seine Architektur ist so bedeutend, dass ein originalgetreuer Nachbau dieses Tores im Centre Pompidou in Paris als herausragendes Beispiel französischer Baukunst gewürdigt wird.
In Sizun suchen Besucher vergeblich nach einem freistehenden Kalvarienberg (Calvaire) im Inneren des Hofes. Die Planer des 16. Jahrhunderts wählten stattdessen einen anderen, kühnen Weg:
Drei Golgathakreuze: Diese thronen majestätisch direkt oben auf dem Triumphtor.
Symbolik: Durch diese Platzierung verschmelzen der Eingang zum geweihten Bezirk und die Darstellung der Passion Christi zu einer monumentalen Einheit.
Trotz des fehlenden separaten Kalvarienbergs bietet Sizun alles, was einen klassischen umfriedeten Pfarrbezirk ausmacht:
Eine prächtige Kirche mit kunstvoll verzierten Deckenbalken.
Ein elegantes Beinhaus aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, das heute oft für kulturelle Zwecke genutzt wird.
Sizun Triumphtor
Sizun Detail
Sizun, das Beinhaus
Der umfriedete Pfarrbezirk von Sizun ist ein faszinierendes Ensemble, dessen Baugeschichte sich vom 16. bis zum 18. Jahrhundert erstreckt. Er gilt als eines der harmonischsten Beispiele für die Entwicklung der bretonischen Sakralarchitektur.
Die heutige Pfarrkirche, gewidmet dem Heiligen Sullian, stammt überwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie birgt jedoch einen ganz besonderen Schatz in ihrem Inneren:
Das Relief der Heiligen Genoveva: Ein kunstvolles Werk aus dem 15. Jahrhundert, das bereits den Vorgängerbau schmückte und die lange Tradition dieses Pilgerortes bezeugt.
Die Deckenbalken: Achten Sie beim Betreten der Kirche auf die kunstvoll geschnitzten und bemalten Balkenköpfe (Sablières), die typisch für die Region sind.
Nur einen Steinwurf von Lampaul-Guimiliau entfernt, liegt der Pfarrbezirk von Guimiliau. Er ist weltberühmt für seinen Reichtum an Details und gilt als das beeindruckendste Beispiel für die Volkskunst der Renaissance in der Region. Zwischen 1581 und 1588 erbaut, zeugt er vom enormen Wohlstand, den der Leinenhandel der Gemeinde einst bescherte.
Das Herzstück von Guimiliau ist zweifellos sein Kalvarienberg. Er unterscheidet sich von anderen durch die schiere Anzahl der dargestellten Figuren:
Über 200 Statuen: Auf zwei Ebenen werden Szenen aus dem Leben Christi sowie lokale Legenden erzählt.
Die Legende der Catell-Gollet: Eine Besonderheit in Guimiliau ist die Darstellung der „verlorenen Katharina“ (Catell-Gollet), einer jungen Frau, die wegen ihres ausschweifenden Lebens in die Hölle verdammt wird – eine drastische moralische Mahnung an die Gläubigen jener Zeit.
Lebendige Details: Die Figuren tragen oft die Trachten des 16. Jahrhunderts, was den biblischen Szenen eine damals sehr aktuelle, fast weltliche Note verlieh.
Während viele Pfarrhöfe vor allem durch ihre Außenanlage bestechen, ist das Innere der Kirche von Guimiliau eine wahre Schatzkammer:
Das Taufbecken (1675): Ein monumentales Werk aus Eichenholz, das von acht korinthischen Säulen getragen wird und fast die gesamte Höhe des Seitenschiffs einnimmt. Es gilt als eines der schönsten Schnitzwerke der Bretagne.
Die Orgel (17. Jahrhundert): Das reich verzierte Gehäuse der Orgel ist mit Schnitzereien von König David und tanzenden Engeln geschmückt.
Das Südportal: Bevor Sie die Kirche betreten, sollten Sie das Portal genau betrachten. Es ist mit feinen Reliefs verziert, die Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zeigen, umrahmt von antiken Motiven.
Das Beinhaus (1606–1617):
Das Beinhaus von Guimiliau besticht durch seine elegante Fassade mit einer Außenkanzel. Von hier aus wurden bei großen Menschenauflagen während der Wallfahrten (Pardons) die Predigten gehalten.
In Saint-Thégonnec erreicht die bretonische Sakralarchitektur ihren glanzvollen Höhepunkt. Das Ensemble ist so monumental, dass es eher an eine kleine Kathedrale als an eine Dorfkirche erinnert.
Schon der Eingang zum Bezirk ist ein Statement. Das massive Renaissance-Tor ist mit vier eleganten Laternen gekrönt und wirkt wie eine Festung des Glaubens. Es markiert den prachtvollen Übergang vom weltlichen Dorf in den heiligen Bezirk.
Obwohl er weniger Figuren als der in Guimiliau zählt, besticht er durch seine skulpturale Qualität und dramatische Darstellung:
Die Passionsgeschichte: Auf dem Sockel und den Kreuzarmen werden die Leiden Christi mit einer fast barocken Lebendigkeit dargestellt.
Besonderheit: Unter dem Kreuz findet man die Figur des Heiligen Thégonnec mit seinem gezähmten Wolf – eine Hommage an den Schutzpatron des Ortes.
Das Innere der Kirche wird Sie durch seine Opulenz überraschen. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1998 wurde alles mit unglaublicher Liebe zum Detail restauriert:
Die Kanzel (1683): Sie gilt als eine der schönsten der Welt. Die filigranen Holzschnitzereien zeigen die vier Evangelisten und die Kardinaltugenden.
Die Retabel (Altaraufsätze): Die vergoldeten Barockaltäre sind so prächtig, dass sie das Licht der Glasfenster auf spektakuläre Weise reflektieren.
Das Beinhaus von Saint-Thégonnec ist architektonisch einzigartig. Es gleicht eher einer kleinen Kapelle mit korinthischen Halbsäulen.
Die Grablegung: Im Inneren (in der Krypta) befindet sich eine beeindruckende, lebensgroße Figurengruppe der Grablegung Christi aus polychromem Holz (1702).
Auf Youtube zeigen wir Ihnen das schönste Ende der Welt:
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