Zuflucht im Granit: Die historischen Schutzhäfen am Cap Sizun

Das Cap Sizun ist bekannt für seine zerklüftete Steilküste. Zwischen den imposanten Klippen verbergen sich jedoch kleine, fast schon unwirklich wirkende Häfen, die früher den Fischern bei plötzlichen Stürmen Schutz boten. Eine Entdeckungstour zu diesen „Pors Abris“ gehört zu den authentischsten Erlebnissen am Cap Sizun.

Zwei Wege zum Ziel: Auto oder Wanderschuh?

Sie können diese Tour auf zwei Arten erleben:

Mit dem Auto über die Küstenstraße: Die Panoramastraße bietet immer wieder spektakuläre Ausblicke auf den Atlantik.

Wichtiger Hinweis: Die Zufahrt zum Port Bestrée (direkt bei der Pointe du Raz) ist ausschließlich für Anlieger frei. Bitte parken Sie auf den offiziellen Parkplätzen und gehen Sie das letzte Stück zu Fuß – die Anwohner und die empfindliche Natur danken es Ihnen!

 Zu Fuß auf dem GR 34: Die wohl schönste Art, die Schutzhäfen zu entdecken, ist eine Wanderung auf dem berühmten Zöllnerpfad (GR 34). Wenn Sie die Häfen zu Fuß erwandern, erleben Sie den dramatischen Wechsel zwischen der Weite des Ozeans und der Geborgenheit der tiefen Felseinschnitte besonders intensiv.

Ausflug zu den Schutzhäfen am Cap Sizun, von Pors Poulhan bis Pors Lanvers

Überlebensmodus an der Steilküste: Vom Schlupfwinkel zum Schutzhafen

Die Küstenlinie des Cap Sizun ist so majestätisch wie unerbittlich. Im Norden, Westen und Süden ragen die Granitklippen teils über siebzig Meter senkrecht aus dem Nordatlantik empor. Für die Menschen, die hier seit Generationen vom und mit dem Meer leben, bot diese Mauer aus Stein kaum eine Möglichkeit, sicher anzulanden.

Als die Boote fliegen lernten

Bevor es die befestigten Häfen gab, war das Sichern der Boote eine körperliche Höchstleistung:

  • Die Klippenwinde: Sobald ein Sturm aufzog oder das Wetter tückisch umschlug, blieb den Fischern oft nur ein Ausweg: Sie mussten ihre schweren Holzboote mit Seilen und purer Muskelkraft die steilen Klippen hinaufziehen, um sie vor der zerstörerischen Brandung zu retten.

  • Notunterkünfte im Fels: Wurden sie auf dem Wasser vom Wetter überrascht, suchten sie in ihren kleinen Booten Schutz hinter Felsvorsprüngen oder in vom Meer ausgewaschenen Höhlen. Diese natürlichen Schlupfwinkel waren oft die letzte Rettung vor der tückischen Strömung im „Raz de Sein“, einer der gefährlichsten Meerespassagen Europas.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann man, diese wilden Zufluchtsorte systematisch auszubauen. Man verlängerte Felsvorsprünge durch gemauerte Dämme, um die Wucht der Wellen zu brechen, und baute steile Treppenwege in den Stein. Aus den provisorischen Verstecken wurden die heute so malerischen Schutzhäfen.

Karte der Schutzhäfen am Cap Sizun, Pors Abris du Cap Sizun

Karte der Schutzhäfen am Cap Sizun

Die Geburtsstunde der „Ports-Abris“

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wandelten sich die provisorischen Zufluchtsorte grundlegend. Durch gemeinschaftliche Anstrengung und harte Arbeit entwickelten sich die heute so charakteristischen Schutzhäfen (ports-abris) der Cornouaille:

  • Schutz vor der Brandung: Massive Dämme wurden errichtet, welche die natürlichen Felsvorsprünge verlängerten. Sie dienten als Wellenbrecher gegen die gewaltige Wucht des Atlantiks.

  • Infrastruktur im Stein: In den harten Granit wurden Treppen geschlagen, die bis hinauf auf die Klippen führten. Oben entstanden kleine Schuppen für die Ausrüstung, während unten im Hafenbecken spezielle Lagerstellen für lebende Krustentiere angelegt wurden.

  • Moderne Rettung: Anstatt die Boote mühsam per Hand zu schleppen, baute man nun Rampen und installierte mechanische Seilwinden, mit deren Hilfe die Fischer ihre Boote schnell und sicher aus dem Wasser auf die schützenden Klippen ziehen konnten.

Damit waren die Schutzhäfen der Cornouaille, wie wir sie heute kennen, endgültig geboren – ein Triumph menschlicher Entschlossenheit über die Naturgewalten.

Schutzhafen Pors Bestrée am Cap Sizun

Schutzhafen Pors Bestrée

Pors Poulhan: Das Tor zum Cap Sizun

Unsere Reise entlang der Schutzhäfen beginnt an einem symbolträchtigen Ort: Pors Poulhan. Auf dem Gebiet der Gemeinde Plouhinec gelegen, markiert dieser kleine Hafen mit seinem charakteristischen Leuchtfeuer die Grenze zwischen dem Land der Bigouden und dem Cap Sizun.

 

Vom Kieselstrand zum strategischen Schutzhafen

 

Noch im 19. Jahrhundert war Pors Poulhan kaum mehr als eine unscheinbare, von Kieselsteinen gesäumte Bucht. Doch seine Lage war von unschätzbarem Wert:

  • Schutz vor den Herbststürmen: Durch seine südliche Ausrichtung bot die Bucht Schiffen einen sicheren Zufluchtsort, wenn die schweren Stürme aus Westen und Nordwesten gegen die Küste peitschten.

  • Der Ausbau: Auf Drängen der lokalen Behörden verwandelte sich die Bucht ab 1913 in einen echten Hafen. Eine erste Plattform wurde errichtet, 1923 vergrößert und mit einer Winde ausgestattet. 1935 folgte eine Rampe (cale), um das Aufschleppen der Boote zu erleichtern.

 

Ein Zentrum der Krustentierfischerei

 

In seiner Blütezeit um 1926 beherbergte der Hafen regelmäßig rund dreißig Boote. Die meisten von ihnen hatten sich auf eine besonders edle Beute spezialisiert: Krustentiere.

  • Natürliche Hummerkeller: Eine technische Kuriosität findet sich direkt in den Felsen. Bereits ab 1896 nutzte man zwei Meeresgrotten als provisorische Becken (viviers), um Hummer und Langusten bis zum Verkauf frisch zu halten.

  • Sicherheit auf See: Zwischen 1926 und 1946 verfügte Pors Poulhan sogar über eine Rettungsstation der HSB (Hospitaliers Sauveteurs Bretons) mit eigenem Rettungsboot.

Pors Poulhan, Cap Sizun, Bretagne

Das Gesicht des Hafens heute

 

Sein heutiges Aussehen mit den massiven Molen und Wellenbrechern, die das Becken schützen, erhielt der Hafen in den 1950er Jahren. Er ist heute ein beliebter Stopp für Wanderer, markiert durch sein kleines, weiß-rotes Leuchtfeuer, das den Seefahrern den Weg in die Sicherheit weist.

 

Bigoudène-Tradition und Hafen-Idylle

 

Wer den Hafen von Pors Poulhan betritt, begegnet sofort einer ganz besonderen Persönlichkeit: der Bigoudène. Eine lebensgroße Steinstatue einer Frau in ihrer traditionellen Tracht mit der berühmten hohen Spitzenhaube wacht hier über die Grenze zwischen dem Pays Bigouden und dem Cap Sizun. Sie ist nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern symbolisiert den Stolz und die Beständigkeit der Menschen an dieser Küste.

 

Genuss am Kai: Die Bar „Les Côtiers“

Was wäre ein bretonischer Hafen ohne den passenden Ort, um den Atlantik zu beobachten? Direkt am Hafenbecken von Pors Poulhan liegt die Bar „Les Côtiers“.

  • Die Terrasse: Sie ist der Treffpunkt für Einheimische und Wanderer gleichermaßen. Bei schönem Wetter gibt es kaum etwas Schöneres, als auf der Terrasse zu sitzen, die Sonne zu genießen und den Blick über die Kaimauern und den kleinen roten Leuchtturm schweifen zu lassen.

  • Authentische Atmosphäre: Ob für einen schnellen Café am Morgen, bevor man die Wanderstiefel schnürt, oder für ein kühles Bier am späten Nachmittag – die entspannte Stimmung im „Les Côtiers“ ist der perfekte Einstieg (oder Ausklang) für jeden Besuch in Pors Poulhan.

Pors Tarz: Ein Hafen für Fischer und Bauern

Der Schutzhafen Pors Tarz (Gemeinde Primelin) unterscheidet sich von vielen seiner Nachbarn durch seine vergleichsweise gute Zugänglichkeit. Das machte ihn in der Vergangenheit zu einem lebendigen Umschlagplatz für zwei Berufsgruppen:

  • Die Ernte des Meeres: Nicht nur Fischer nutzten den flachen Zugang. Auch die Bauern der Umgebung kamen mit ihren Karren hierher, um Algen (Tang) zu ernten. Diese dienten als wertvoller natürlicher Dünger für die kargen Felder des Cap Sizun.

  • Eine wachsende Flotte: Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Pors Tarz eine Blütezeit. Bestand die Flotte 1885 noch aus 16 Booten, so suchten nur vier Jahre später bereits 24 Schiffe hier Schutz. Die Fischer machten Jagd auf die begehrten Meerspinnen (araignées) und die kräftigen Meeraale (congres).

  • Die Wende nach der Katastrophe: Die Zerbrechlichkeit dieses Wohlstands zeigte sich bei einem verheerenden Sturm, der 18 der im Hafen liegenden Boote vollständig zerstörte. Dieses Unglück war der Auslöser für den massiven Ausbau: Der Hafen wurde befestigt und erhielt eine erhöhte Plattform mit einer mechanischen Seilwinde. Nur so konnten die Boote bei aufziehender Gefahr schnell genug in Sicherheit – weit über die Brandungszone hinaus – gezogen werden.
Pors Tarz, Primelin, der Wellenbrecher des Schutzhafens

Ingenieurskunst über den Wellen: Die Viviers (Krustentierbecken) von Pors Tarz

Ein technisches Highlight von Pors Tarz ist die Anlage an der Ostflanke des Hafens, die 1883 errichtet wurde. Sie zeugt von der Professionalisierung der Fischerei am Ende des 19. Jahrhunderts:

  • Frischwasser aus der Tiefe: Direkt über natürlichen Meeresgrotten wurden massive Salzwasserbecken gemauert. Die Lage war genial gewählt: Durch die Brandung und den Tidenhub wurden die Becken ständig mit frischem, sauerstoffreichem Meerwasser gespeist.

  • Lagerung auf dem Punkt: Diese Becken dienten als lebende Vorratskammern. Hier konnten die Fischer ihren Fang – vor allem die empfindlichen Meerspinnen und Hummer – unter optimalen Bedingungen zwischenlagern, bis sie gewinnbringend verkauft oder abtransportiert wurden.

  • Ab 1985 waren die Viviers verlassen und dem Verfall preisgegeben. 

Pors Tarz, die Viviers, Krustentierbecken

Neues Leben in alten Mauern: Das Projekt „Viviers de Pors Tarz“

 

Nachdem die Becken seit 1985 im Dornröschenschlaf lagen, hat das Gelände einen neuen Besitzer gefunden, der eine Vision für diesen historischen Ort hat.

  • Der neue Eigentümer: Hinter dem Projekt steht ein Unternehmer, der das Anwesen 2021 erworben hat.

  • Das Vorhaben: Das Ziel ist es, die historische Stätte zu revitalisieren und dort wieder eine exklusive Zucht bzw. Hälterung für Krustentiere – insbesondere Langusten – zu etablieren. Das Unternehmen ist offiziell für „Aquaculture en mer“ (Meeresaquakultur) registriert.

  • Renovierung: Das zugehörige Haus ist bereits aufwendig renoviert worden. Es dient nun als Basis für das ambitionierte Projekt, das die alte Tradition der „Viviers“ (Fischbecken) mit modernen Qualitätsstandards verbinden will.

  • Lokale Bedeutung: Während einige Anwohner zunächst besorgt waren (es gab Gerüchte über den Bau von Luxus-Ferienunterkünften), hat die Gemeinde das Projekt positiv aufgenommen, da es eine Rückkehr zur ursprünglichen Nutzung des Hafens als Ort der Meeresfrüchte-Produktion bedeutet.

Die ehemaligen Viviers in Pors Tarz, Primelin, Krustentierbecken

Le Loc'h: Ein Hafen, erbaut aus der Kraft der Gemeinschaft

Nur ein kurzes Stück auf dem GR 34 von Pors Tarz entfernt, stoßen Sie auf den Schutzhafen von Le Loc'h. Seine Entstehung ist ein Zeugnis für die Hartnäckigkeit der rund 250 Fischer, die hier Ende des 19. Jahrhunderts ihren gefährlichen Dienst verrichteten.

Der Kampf um die Heberampe

Im Jahr 1894 reichte der Bürgermeister von Primelin eine Petition der Fischer beim Präfekten ein: Eine Rampe mit Winde sollte her, um die Boote endlich sicher aus den Fluten ziehen zu können. Obwohl das Ministerium 1895 zustimmte und 900 Francs für die 60 Meter lange Rampe bewilligte, drohte das Projekt an der Bürokratie und dem Geldbeutel zu scheitern:

  • Das Hindernis: Der Grundstücksbesitzer forderte 375 Francs für das Land – eine Summe, welche die arme Gemeinde unmöglich aufbringen konnte.

  • Die Solidarität: Erst als jeder einzelne Fischer einen Beitrag leistete (je nach Boot zwischen 3 und 12 Francs), kam das Geld zusammen. 1899, fünf Jahre nach der ersten Petition, konnte der Bau endlich beginnen.

Blick auf den Schutzhafen Le Loc'h

Blick auf den Schutzhafen Le Loc'h

Wellenbrecher und Rettung in Seenot

 

Nach der erfolgreichen Installation der Rampe folgte 1903 der nächste Ausbau. Der Gemeinderat beschloss, den Schutz des Hafens zu erhöhen. Dank einer großzügigen Spenderin konnten kurz darauf zwei lebenswichtige Einrichtungen realisiert werden:

  1. Ein massiver Wellenbrecher, der die Wucht des Atlantiks bändigte.

  2. Eine eigene Seenotrettungsstation, die den Fischern in dieser gefährlichen Zone zusätzliche Sicherheit gab.

Abendstimmung an der Anse du Loc'h

Abendstimmung an der Anse du Loc'h

Pors Loubous: Ein Schutzhafen im Dienste der Freiheit

Pors Loubous ist weit mehr als nur ein malerischer Ankerplatz in einer tiefen Felsspalte. Wer diesen Ort besucht, betritt geschichtsträchtigen Boden.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der versteckte Hafen zu einem geheimen Tor für die Résistance.

 

 

Honoré d’Estienne d’Orves und das Netzwerk Nemrod

 

In der dunklen Zeit der Besatzung nutzten Widerstandskämpfer die Unwirtlichkeit der Klippen zu ihrem Vorteil. Pors Loubous diente als heimlicher Anlandepunkt, um Agenten und Funker aus England in das besetzte Frankreich zu schleusen:

  • Die Landung: Am 22. Dezember 1940 landete der Seeoffizier Honoré d’Estienne d’Orves mit einem Fischerboot in Pors Loubous. Er hatte den Auftrag, im Westen ein Nachrichtendienst-Netzwerk (das Netzwerk Nemrod) aufzubauen, um wichtige Informationen über die deutschen Truppenbewegungen zu sammeln.

  • Verrat und Schicksal: Trotz der Tarnung und der Hilfe loyaler Bretonen wurden d’Estienne d’Orves und seine Mitstreiter verraten. Nur einen Monat nach seiner Landung, am 20. Januar 1941, wurde er festgenommen.

  • Das bittere Ende: Nach Monaten in Gefangenschaft wurde er am 29. August 1941 auf dem Pariser Mont-Valérien hingerichtet. Heute gilt er als einer der großen Märtyrer des französischen Widerstands.

Ein Mahnmal am Zöllnerpfad

Wenn Sie heute auf dem GR 34 an Pors Loubous vorbeikommen, finden Sie eine Gedenktafel, die an d’Estienne d’Orves und die Männer des Netzwerks Nemrod erinnert. Der Ort strahlt heute eine tiefe Ruhe aus, doch die rauen Felsen bleiben stumme Zeugen jener stürmischen Nächte, in denen hier Männer für die Freiheit ihr Leben riskierte.

 

Ein lebendiges Erbe: Die jährliche Gedenkfeier

 

Die Geschichte von Honoré d’Estienne d’Orves ist in der Cornouaille nicht vergessen. Um sein Opfer und den Mut der Widerstandskämpfer zu ehren, findet jedes Jahr eine feierliche Zeremonie statt:

  • Wann: Immer am 29. August, dem Jahrestag seiner Hinrichtung im Jahr 1941.

  • Wo: Direkt am Gedenkstein am Schutzhafen von Pors Loubous.

Feunteun Aod: Der Hafen mit der Süßwasserquelle

Feunteun Aod, Schutzhafen am Cap Sizun, Plogoff, Finistère

 

Unter den vielen Schutzhäfen am Cap Sizun nimmt Feunteun Aod (Gemeinde Plogoff) eine Sonderstellung ein. Er galt schon immer als der „bequemste“ und sicherste Ankerplatz der Region.

Ein Paradies für Fischer seit dem 16. Jahrhundert

Was Feunteun Aod so besonders macht, sind seine natürlichen Gegebenheiten:

  • Sicherer Zufluchtsort: Im Gegensatz zu vielen anderen Häfen ist er bestens windgeschützt und frei von gefährlichen Untiefen oder tückischen Klippen direkt in der Einfahrt.

  • Lebensnotwendiges Süßwasser: Die namensgebende Quelle „La fontaine de la grève“ direkt am Ufer war für die Fischer Gold wert – hier konnten sie ihre Vorräte mit frischem Trinkwasser auffüllen.

  • Traditionelles Handwerk: Schon im 16. Jahrhundert war der Hafen die Basis für eine große Flotte. Die Fischer landeten hier Seeaal, Leng und Seelachs an, die direkt auf den sonnengewärmten Klippen getrocknet wurden, bevor sie in den Handel gingen.

Aufstieg und die Gefahr aus dem Hinterland

Obwohl die Anlage stetig modernisiert wurde – 1889 mit einem Kai, 1922 mit einem Wellenbrecher und einer mechanischen Winde –, fand die große Ära des Hafens ein jähes Ende. 1935 drohte ein massiver Bergrutsch die gesamte Anlage zu verschütten, woraufhin der Hafen offiziell aufgegeben werden musste.

Feunteun Aod heute: Heimat des „Königs der Fische“

Doch der Hafen ist alles andere als verlassen. Zwischen Mai und September erwacht Feunteun Aod zu neuem Leben:

  • Bar de Ligne: Heute ist der Hafen die Basis für einige Fischer des berühmten „Bar de Ligne“. Dieser Wolfsbarsch wird nicht mit Netzen, sondern einzeln mit der Angel in den starken Strömungen vor der Küste gefangen.

  • Spitzenqualität: Der geangelte Wolfsbarsch aus dieser Region gilt als einer der edelsten Speisefische der Bretagne und ist bei Feinschmeckern in ganz Europa begehrt.

 

Das Schicksal der „Jouet des Flots“ (Spielball der Wellen)

 

Der Gedenkstein am Weg hinunter zum Schutzhafen von Feunteun Aod erinnert an eine stürmische Nacht im Februar 1944.

  • Die Mission: Die „Jouet des Flots“ war ein kleiner Kutter, der unter dem Kommando von Pierre Brossolette (einem der bedeutendsten Anführer der Résistance neben Jean Moulin) stand. Ziel war es, wichtige Widerstandskämpfer und alliierte Flieger von der Bretagne nach England zu schmuggeln.

  • Das Unglück: Am 2. Februar 1944 geriet das Schiff kurz nach dem Auslaufen bei Ile Tudy in einen fürchterlichen Sturm. Der Motor fiel aus, und das Schiff wurde manövrierunfähig gegen die Felsen von Feunteun Aod getrieben, wo es schließlich zerschellte.

  • Die Flucht an Land: Wie durch ein Wunder konnten sich alle 32 Insassen (darunter Brossolette und auch Émile Bollaert) an die Steilküste von Plogoff retten. Sie versteckten sich in den umliegenden Bauernhöfen und in den Klippen, immer in der Gefahr, von den deutschen Patrouillen entdeckt zu werden.

  • Das bittere Ende: Obwohl die Landung glückte, wurden Brossolette und seine Begleiter wenig später bei dem Versuch, das Gebiet zu verlassen, an einer Straßensperre erkannt und verhaftet. Pierre Brossolette nahm sich später in der Haft das Leben, um unter der Folter keine Geheimnisse preiszugeben.

Pors Bestrée: Der „Schmugglerhafen“ am Ende der Welt

Nur einen Steinwurf von der berühmten Pointe du Raz entfernt, verbirgt sich ein Ort, der seinen wilden und ursprünglichen Charakter bis heute bewahrt hat: der Schutzhafen Bestrée. Abseits jeder modernen Infrastruktur und tief in die Felsen geschmiegt, wirkt er auch heute noch wie ein geheimnisvoller Schmugglerhafen.

Klein, tückisch und heiß begehrt

Trotz seiner geringen Größe und der zahlreichen gefährlichen Untiefen, die die Einfahrt säumen, war Bestrée bei den Fischern von jeher äußerst beliebt. Der Grund ist seine strategische Lage:

  • Das Tor zum Raz de Sein: Die fischreichen, aber extrem gefährlichen Gewässer der Strömung „Raz de Sein“ liegen direkt vor der Haustür. Von Bestrée aus erreichten die Fischer die Fanggründe schneller als von jedem anderen Hafen.

  • Das Erbe der Langustenfischer: Früher war Bestrée ein Zentrum der Hummer- und Langustenfischerei. Die robusten Männer von Plogoff trotzten hier täglich der gewaltigen Brandung, um ihre Körbe in den Felsspalten auszusetzen. Heute liegen in Bestrée hauptsächlich Boote, die in den fischreichen Gewässern des Raz de Sein Wolfsbarsche angeln.

Ingenieurskunst und Lebensader: Der Ausbau von Bestrée

 

Der Hafen, wie wir ihn heute sehen, ist das Ergebnis eines mutigen Ausbaus am Ende des 19. Jahrhunderts. Da der Platz in der engen Felsspalte begrenzt war, musste man kreativ werden:

  • Den Naturgewalten getrotzt: Im Jahr 1885 wurde der mächtige Felsen westlich der Hafeneinfahrt durch einen massiven Wellenbrecher mit der Küste verbunden. Damit schuf man nicht nur Schutz vor der Brandung, sondern auch den nötigen Platz für eine Plattform, eine Treppe und eine erste Handwinde.

  • Die „Seilbahn“ der Fischer: Eine Besonderheit von Bestrée war die spätere Installation einer Art motorisierten Materialseilbahn. Sie war eine enorme Erleichterung für die Männer: Fang und schwere Ausrüstung mussten so nicht mehr mühsam die steilen Pfade hinaufgeschleppt werden, sondern schwebten mechanisch nach oben zur Klippenkante.

Strategischer Knotenpunkt für die Leuchttürme

Bestrée war weit mehr als nur ein Fischereihafen. Er war die lebenswichtige Verbindung zu den einsamsten Außenposten im Atlantik:

  • Versorgung der Île de Sein: Von hier aus starteten die Boote zur Nachbarinsel, oft unter schwierigsten Bedingungen.

  • Die Wärter der Giganten: Bestrée war der Ausgangspunkt für die Ablösung der Leuchtturmwärter von Phare de la Vieille und Phare de Tévennec. Wer einmal die Strömung im Raz gesehen hat, weiß, welches Wagnis jede dieser Fahrten bedeutete.

Blütezeit und Wandel

Im Jahr 1924 erreichte der Hafen seine Blütezeit: 19 Boote mit insgesamt 79 Mann Besatzung waren hier registriert – eine beachtliche Zahl für einen so winzigen Hafen. Auch wenn die Flotte später schrumpfte, blieb der Geist der Seefahrt in Bestrée bis heute lebendig. 

 

Pors Bestrée, Schutzhafen Cap Sizun, Pointe du Raz

Poul Mostrec & Pors Vorlen: Zwischen Sicherheit und Legende

Auf dem Weg von der Pointe du Raz in Richtung Pors Théolen passieren Sie die spektakuläre Baie des Trépassés. Diese Bucht, so schön sie im Sonnenlicht glitzert, wird von zwei kleinen Schutzhäfen bewacht, die gegensätzlicher nicht sein könnten: einer für die lebenden Fischer, einer für die Seelen der Toten.

Poul Mostrec: Der sichere Ausweichhafen

An der Südflanke der Bucht liegt Poul Mostrec. Er war für die Fischer der Region die lebenswichtige „Plan B“-Option:

  • Taktischer Rückzug: Wenn heftige Süd- oder Südwestwinde tobten, wurde die Einfahrt in den Port Bestrée zu einem lebensgefährlichen Unterfangen.

  • Schutz im Norden: In solchen Momenten bot Poul Mostrec den notwendigen Windschatten und erlaubte es den Männern, ihre Boote und ihr Leben sicher an Land zu bringen, wenn die Natur den Zugang zu ihrem Heimathafen versperrte.

Schutzhafen Poul Mostrec, Cap Sizun, Pointe du Raz

Pors Vorlen: Der Hafen der verlorenen Seelen

An der Nordflanke der Bucht wird es mystisch. Pors Vorlen ist tief in der bretonischen Folklore verwurzelt und eng mit dem Jenseits verbunden:

  • Das Schiff der Nacht: Der Legende nach ist dies der Heimathafen des „Bag Noz“ (bretonisch für „Schiff der Nacht“).

  • Die letzte Reise: Man erzählt sich, dass dieses geisterhafte Schiff hier ablegt, um die Seelen der verstorbenen Seeleute aufzunehmen. Seine Route führt sie über die tückischen Wellen der Bucht hinaus auf das offene Meer, direkt hinüber zur Île de Sein, die in der bretonischen Mythologie oft als das Tor zum Jenseits oder als Ruheort der Toten gilt.

Pors Théolen: Schutzhafen-Idylle und Kult-Buvette mit Meerblick

Pors Théolen (Gemeinde Cleden-Cap-Sizun) ist nicht nur ein Ort für Nostalgiker und Wanderer, sondern erfüllt eine ganz praktische Funktion für die Fischer der Umgebung. Während andere Häfen am Cap Sizun wie Festungen in den Klippen liegen, bietet Pors Théolen einen entscheidenden Vorteil: den flachen Zugang zum Meer.

Der große „Umzug“ im Herbst

Wenn die Saison im Spätherbst endet und die schweren Winterstürme des Nordatlantiks drohen, beginnt in Pors Théolen ein geschäftiges Treiben. Da der benachbarte Schutzhafen Brézellec tief in steile Felswände eingezwängt ist, ist das Auswassern der Boote dort ein extrem mühsames Unterfangen.

  • Die Rampe als Rettung: Im Gegensatz zu den steilen Aufstiegen anderer Häfen verfügt Pors Théolen über eine flache Rampe, die bis weit ins Wasser reicht.

  • Modernes Handling: Die Fischer – vorwiegend Privatiers, die aber mit Leidenschaft und professionellem Gerät den Fang des Cap Sizun jagen – bringen ihre Boote im Herbst von Brézellec hierher. In Pors Théolen können sie bequem mit Autos und Anhängern bis ans Wasser fahren und die Boote sicher auf die Trailer ziehen.

Spektakel von der Terrasse aus

Für Besucher der Buvette de Pors Théolen ist dieser herbstliche „Bootstransfer“ ein faszinierendes Schauspiel: Man sitzt bei einem Glas Wein oder einem Café auf der Terrasse und beobachtet, wie ein Boot nach dem anderen über die Rampe das Element wechselt. Es ist ein perfekt eingespieltes Manöver zwischen Mensch, Maschine und dem Meer, das den Abschluss der Fischereisaison markiert.

 

Es gibt Orte, die man einmal besucht und nie wieder vergisst. Die Buvette von Pors Théolen ist so ein Ort. Mit ihren strahlend blauen Fensterläden und der schlichten Aufschrift „Buvette“ über der Tür wirkt sie wie aus einer Erzählung von früher – und genau das ist sie auch.

 

Frauenpower seit vier Generationen

Hinter dem Tresen trifft man auf Anne, in den Sommermonaten bekommt sie Verstärkung von ihrer Tochter Clémence . Sie führen eine Tradition fort, die so beständig ist, wie die Brandung vor ihrer Haustür: Seit vier Generationen liegt die Leitung dieser kleinen Kneipe am Ende der Welt fest in den Händen der Frauen ihrer Familie. Diese Kontinuität spürt man in jedem Detail und in der herzlichen Gastfreundschaft.

 

 Bretonische Glücksmomente

  • Annes bretonischer Far: Dieser traditionelle bretonische Kuchen (Far Breton) ist bei Wanderern legendär und schmeckt nach echter Heimat.

  • Ein Kir Breton mit Aussicht: Ein kühler Cidre mit einem Schuss Cassis, dazu der ungestörte Blick auf den weiten Atlantik – mehr braucht es nicht, um den Alltag zu vergessen.

Pors Théolen, Cap Sizun, Schutzhafen und Buvette de Pors Théolen

Pors Brézellec:  Zwischen steilen Zufahrten und senkrechten Felswänden

Pointe de Brézellec, Auge von Pierre Chanteau, Schutzhafen von Brézellec

 

Brézellec ist nichts für schwache Knie. Schon die Zufahrt lässt einen die Bremsen spüren, so steil läuft sie der Küstenkante entgegen. Doch das ist erst der Anfang: Wer den Hafen wirklich sehen will, muss noch weiter hinunter steigen, über Treppen, die fast senkrecht in den Fels gehauen wurden.

 

Wenn Pors Théolen das gemütliche Wohnzimmer des Caps ist, dann ist Brézellec, nur ein kurzes Stück weiter östlich an der Nordküste gelegen, sein monumentaler Balkon. 

 

In den Fels gemeißelt

Brézellec ist kein gewöhnlicher Hafen. Er liegt tief unten in einer Bucht, die von fast senkrechten, mit Ginster und Heidekraut bewachsenen Felswänden umschlossen wird.

  • Die Treppe der Fischer: Wer hinunter zum Wasser möchte, muss eine steile Treppe bewältigen, die direkt in den Granit gehauen wurde.

  • Kein Platz für Autos: Hier gibt es keine flache Rampe wie in Pors Théolen. Alles, was hier bewegt wird, muss über die Stufen oder die alten Winden nach oben geschafft werden.

Ein Sommerparadies mit Ablaufdatum

Über die Sommermonate ist Brézellec ein Postkartenidyll. Die Boote der lokalen Fischer schaukeln auf dem türkisblauen Wasser, geschützt durch die hohen Felswände. Doch die Idylle ist trügerisch:

  • Die Flucht vor dem Nordwest: Sobald im Herbst die ersten schweren Stürme aus Nordwesten auf die Küste treffen, wird die Bucht zur Falle. Die Wellen schlagen dann mit einer solchen Wucht gegen die Klippen, dass kein Boot im Wasser bleiben könnte.

  • Das Winterquartier: Genau deshalb bricht im Herbst die Zeit des Umzugs an. Wie Sie bereits wissen, verlässt die Flotte Brézellec und steuert Pors Théolen an, um dort sicher und bequem per Trailer aus dem Wasser gezogen zu werden.

Pointe de Brézellec, Schutzhafen, Pors Abri, Finistère, Bretagne

Trotz seiner scheinbar engen Lage in diesem steinernen Kessel hat Brézellec einen entscheidenden Vorteil: Er ist der Schutzhafen mit der größten Wassertiefe des gesamten Caps.

  • Sicherer Tiefgang: Schon historisch gesehen konnten hier deshalb auch größere Schiffe Schutz suchen, die in den flacheren Buchten der Umgebung keine Chance gehabt hätten.

  • Sommerflotte: In den warmen Monaten ist das Hafenbecken dicht gefüllt – über fünfzig Boote haben hier ihren festen Platz und schaukeln auf dem klaren, tiefen Wasser.

Zwischen Granit und Gartenzwergen

Wer den steilen Abstieg bewältigt hat und unten ankommt, reibt sich erst einmal verwundert die Augen. Inmitten dieser rauen, gewaltigen Kulisse haben die Fischer eine Welt erschaffen, die ebenso erstaunlich wie bizarr ist:

  • Maritime Kuriositäten: Überall finden sich liebevolle Dekorationen – bunte Gartenzwerge, winzige Häuschen und alles andere, was sich so findet am Meer.

  • Sitzplätze im Nirgendwo: Diverse improvisierte Sitzgelegenheiten laden dazu ein, sich nach dem Abstieg erst einmal auszuruhen. Es wirkt fast so, als hätten die Fischer hier ein gemeinschaftliches „Outdoor-Wohnzimmer“ direkt an der Wasserlinie eingerichtet.

Pors Heign ar Hass (auch Porzh Loëdec genannt) : Das verborgene Versteck der Seeräuber

Wenn Sie Brézellec hinter sich lassen und dem Zöllnerpfad weiter folgen, erreichen Sie einen Ort, der selbst für bretonische Verhältnisse außergewöhnlich abgelegen ist: Pors Heign ar Hass. Versteckt in einem tiefen Einschnitt an der Pointe de Penharn, ist dieser Hafen das Ziel für alle, die die absolute Stille suchen.

 

Ein Weg für Abenteurer

Schon der Zugang zu diesem idyllischen Fleckchen Erde ist ein Erlebnis für sich. Pors Heign ar Hass gibt sich nicht jedem preis:

  • Der Pfad: Nur ein schmaler Weg führt durch ein dichtes Meer aus leuchtend gelbem Ginster und Farnkraut hinunter zum Wasser.

  • Nichts für schwache Nerven: Der Abstieg ist relativ steil, nah an der Klippe und unbefestigt. Für Kinder und Hunde ist dieser Pfad nicht ganz ungefährlich – Trittsicherheit und festes Schuhwerk sind hier absolute Pflicht.

Isolation und Schmuggler-Romantik

Unten angekommen, verändert sich die Atmosphäre schlagartig. Die Welt oben auf den Klippen scheint meilenweit entfernt zu sein:

  • Die perfekte Bucht: In seiner fast vollkommenen Isolation wirkt der winzige Hafen wie aus einem Abenteuerroman entsprungen. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie hier früher im Schutze der Nacht Schmuggler oder Seeräuber ihre Boote anlandeten, fernab der wachsamen Augen der Zollwächter.

  • Ein Ort der Stille: Heute liegen hier nur wenige Boote, und oft hört man nichts außer dem rhythmischen Glucksen des Wassers gegen die Felsen. Es ist ein zutiefst geheimnisvoller Ort, der dazu einlädt, sich in Gedanken in vergangene Jahrhunderte zu träumen.

Pors Heign Ar Hass, Schutzhafen am Cap Sizun, steiler Abstieg

Ein Paradies für Kenner – und eine Warnung

 

Trotz seiner Schönheit übersehen viele Wanderer auf dem GR 34 diesen kleinen Hafen an der Flanke der Steilküste, da er sich so tief in die Felsen duckt. Doch wer den Weg hinunterfindet, entdeckt ein Revier, das vor allem in der Tauchszene einen besonderen Ruf genießt.

Abgrundtiefes Blau: Das Tauchrevier

Was Pors Heign ar Hass für Taucher so faszinierend macht, ist die unmittelbare Wassertiefe. Man muss nicht erst weit hinausschwimmen, um in die Tiefe zu gelangen:

  • Dramatisches Gefälle: Direkt am Ufer fällt der Boden auf beeindruckende 10 Meter ab. Wer sich nur 50 Meter vom Hafenbecken entfernt, befindet sich bereits über einer Tiefe von mehr als 20 Metern.

  • Komfortabler Einstieg: Auf der linken Seite des Hafens erleichtert eine fest installierte Leiter den Einstieg ins tiefe Blau – ein Luxus an dieser sonst so schroffen Felsküste.

Nichts für Anfänger: Die unsichtbare Gefahr

So einladend das klare Wasser auch aussieht, Pors Heign ar Hass fordert Respekt. Die Idylle täuscht über die rauen Bedingungen unter der Oberfläche hinweg:

  • Tückische Strömungen: Die Lage an der Pointe de Penharn bringt gefährliche Unterwasserströmungen mit sich, die selbst für Profis zur Herausforderung werden können.

  • Erfahrung ist Pflicht: Dieser Ort ist ausschließlich erfahrenen und geübten Tauchern vorbehalten. Ohne genaue Kenntnis der Gezeiten und Strömungsverhältnisse kann ein Tauchgang hier schnell lebensgefährlich werden.

Pors Lesven & Pors Lanvers: Die Häfen des Schicksals

Am Ende unserer Tour erreichen wir zwei Orte, deren Namen in der Bretagne untrennbar mit der Résistance und den dramatischen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs verbunden sind. Während die See hier heute friedlich gegen die Felsen schlägt, waren diese Buchten im August 1944 Schauplatz blutiger Kämpfe.

Pors Lesven: Das blutige Ende des Krieges

 

In Pors Lesven ereignete sich am 26. August 1944, kurz vor der endgültigen Befreiung der Region, eine der heftigsten Auseinandersetzungen zwischen der Résistance und den deutschen Besatzern am Cap Sizun:

  • Der Kessel: Die deutschen Soldaten gehörten zur Besatzung des Stützpunkts L12 (bei Esquibien/Audierne). Da die Alliierten bereits große Teile der Bretagne befreit hatten, saßen die Soldaten in der Falle. Ihr Ziel war es, sich nach Brest durchzuschlagen, das zu diesem Zeitpunkt noch als „Festung“ von deutschen Truppen gehalten wurde. Da der Landweg abgeschnitten war, suchten sie den Weg über das Meer.

  • Die Schlacht: Die Résistance (FFI - Forces Françaises de l'Intérieur) hatte die Bewegung frühzeitig bemerkt. Die FFI-Kämpfer besetzten die Höhenzüge rund um die Bucht. Als die deutschen Truppen (fast 350 Mann) mit schwerem Gerät und Pferdefuhrwerken den Weg zum Hafen hinunterkamen, saßen sie in der Falle. Von den Klippen aus hatten die Widerstandskämpfer ein freies Schussfeld. Tatsächlich tauchten zwei deutsche Vorpostenboote vor der Bucht auf, um die Soldaten zu evakuieren. Sie griffen mit ihren Bordkanonen in das Gefecht ein, was die leider sehr hohen Verluste auf Seiten der Résistance erklärt.

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    Trotz der Unterstützung von der Seeseite war die Lage der deutschen Bodentruppen aussichtslos. Nach stundenlangem Feuergefecht kapitulierten die verbliebenen Soldaten. Die Bilanz der Gefangenen (248 Mann) zeigt, wie groß die Einheit war, die dort versuchte, über diesen winzigen Hafen zu entkommen.
  • In der Region wird dieses Ereignis oft als der „letzte Akt der Besatzung“ am Cap Sizun bezeichnet. Das Denkmal in Lesven ist besonders bewegend, da viele der 18 gefallenen Widerstandskämpfer junge Männer aus den umliegenden Dörfern wie Beuzec, Pont-Croix und Audierne waren. 

 

Ein Ort des stillen Gedenkens

 

Heute erinnert an der D7, oberhalb von Pors Lesven ein Denkmal an die Gefallenen dieser Schlacht. Es ist ein Ort, der zum Innehalten mahnt – besonders wenn man bedenkt, dass dieser Kampf nur wenige Tage vor der endgültigen Freiheit stattfand.

  • Auf deutscher Seite: 30 Tote, 45 Verwundete und 248 Gefangene.
  • Auf Seiten der Résistance: 18 Männer ließen ihr Leben, 30 wurden verwundet.

Pors Lesven

Pors Lanvers: Das Tor zur Freiheit

 

Schon während der Besatzungszeit spielte der kleine Hafen von Pors Lanvers eine strategische Rolle für den Widerstand:

  • Fluchtweg nach England: Aufgrund seiner versteckten Lage diente Lanvers als geheimer Ausgangspunkt für Mitglieder der Résistance und alliierte Piloten, die vor den deutschen Besatzern nach England flüchten mussten.

  • Gefährliche Überfahrten: Fischer aus der Region riskierten hier jede Nacht ihr Leben, um die Männer über den Ärmelkanal in Sicherheit zu bringen.

Die Flucht der „Moïse de Tréboul“

In der Nacht vom 23. auf den 24. August 1943  war Pors Lanvers Schauplatz einer riskanten Fluchtmission.

In jener Nacht lief das Fischerboot „Le Moïse de Tréboul“ in den kleinen Schutzhafen von Pors Lanvers ein. Unter dem Kommando von Patron Joseph Marec und seiner achtköpfigen Besatzung wurde hier eine geheime Einschiffung durchgeführt:

  • Das Ziel: England, um sich den Forces Françaises Libres (F.F.L.), den freien französischen Streitkräften unter General de Gaulle, anzuschließen.

  • Die Passagiere: Insgesamt 14 Personen gelang es, in dieser Nacht in Pors Lanvers unbemerkt an Bord zu gehen.

  • Die Bedeutung: Solche Aktionen waren logistische Meisterleistungen. Man musste die deutschen Patrouillen am Zöllnerpfad umgehen und die Abfahrt genau mit den Gezeiten und der Dunkelheit abstimmen.

  • Ein Denkmal gegen das Vergessen: Die Tafel, die Sie in Pors Lanvers finden, wurde zum Gedenken an Joseph Marec, seine Crew und die 14 Passagiere errichtet. Unter der Inschrift prangt das Emblem der F.F.L. mit dem Lothringer Kreuz, dem Symbol des französischen Widerstands.

Pors Lanvers