Wenn Sie von Plouhinec aus einen Tagesausflug planen, der Sie in das Herz der bretonischen Tradition führt, sollten Sie etwa eine Stunde Fahrtzeit einplanen.
In der Gemeinde Névez, südwestlich von Pont-Aven und nur einen Steinwurf vom Atlantik entfernt, liegen zwei Juwelen der ländlichen Architektur: die Weiler Kerascoët und Kercanic.
Beide Orte wirken mit ihren historischen Chaumières – den typischen, mit Stroh oder Reet gedeckten Häusern – fast wie Museumsdörfer. Doch der Schein trügt: Die Dörfer sind bewohnt und lebendig, was ihren besonderen Charme ausmacht.
Kerascoët: Dieses Dorf ist das bekanntere der beiden. Es ist hervorragend beschildert und für Besucher leicht zu finden. Ein Spaziergang durch die schmalen Gassen vorbei an den granitgrauen Mauern und den mächtigen Reetdächern ist ein Muss.
Kercanic: Dieser kleine Weiler ist ein echter Geheimtipp. Während man Kerascoët kaum verfehlen kann, erfordert die Suche nach Kercanic ein wenig Entdeckergeist. Es liegt etwas versteckter und ist weniger überlaufen – perfekt für alle, die die Stille und Authentizität suchen.
Um das Beste aus Ihrem Ausflug herauszuholen, lässt sich der Besuch der Reetdachdörfer ideal zu einer abwechslungsreichen Rundfahrt kombinieren.
Starten Sie von Plouhinec aus und lassen Sie den Tag genussvoll am Bélon ausklingen:
Vormittags – Zeitreise: Bestaunen Sie die märchenhaften Chaumières in Kerascoët und Kercanic.
Mittags – Kunst & Flair: Tauchen Sie ein in das bunte Treiben und die Geschichte der Maler in Pont-Aven .
Abends – Kulinarischer Ausklang: Legen Sie auf dem Rückweg einen Stopp in Riec-sur-Bélon ein. Direkt an der malerischen Bélonmündung erwartet Sie ein echtes Highlight. Es gibt kaum etwas Schöneres, als den Tag bei einer Platte fangfrischer Austern (der berühmten "Bélon") und Meeresfrüchten mit einem kühlen Glas Weißwein direkt am Wasser Revue passieren zu lassen.
Die Architektur von Kerascoët und Kercanic erzählt viel über die Geschichte und den Wandel der Bretagne. Die Bauweise ist perfekt an das raue Küstenklima angepasst:
Vom Roggen zum Schilf: Während die Dächer früher traditionell mit Roggenstroh gedeckt wurden, nutzt man heute überwiegend robustes Schilf (Reet). Dieses Material ist langlebiger und schützt die Bewohner zuverlässig vor dem bretonischen Wind und Regen.
Blau auf Grau: Die massiven Mauern aus dunklem bretonischem Granit bilden einen markanten Kontrast zu den liebevoll gepflegten, hübschen blauen Fensterläden. Dieses tiefe Blau ist typisch für die Küstenorte und verleiht den Dörfern ihren freundlichen, maritimen Charakter.
Ein lebendiges Erbe: Dass diese Häuser heute so prächtig aussehen, liegt an der aufwendigen Pflege durch die Besitzer. Jedes Haus ist ein Unikat und zeugt von einer Handwerkskunst, die hier über Generationen bewahrt wurde.
Ein Spaziergang durch Kerascoët und Kercanic gleicht einer Zeitreise ins 16. Jahrhundert. Besonders in der Nebensaison oder in den sanften Abendstunden, wenn die Tagestouristen weitergezogen sind, entfaltet sich der wahre Zauber dieser Orte.
Blütenpracht und Architektur: Überall leuchten Hortensien in allen Farben vor dem grauen Granit. Die tief heruntergezogenen Reetdächer der liebevoll restaurierten Chaumières vermitteln das Gefühl, in einer anderen Epoche angekommen zu sein.
Details voller Geschichte: Überall gibt es Kleinigkeiten zu entdecken, die originalgetreu bewahrt wurden:
Ein alter Brotbackofen, der einst das ganze Dorf versorgte.
Ein historischer Brunnen, der heute als Fotomotiv dient.
Ein Schutzheiliger, der diskret von einem Giebel wacht.
Es ist diese Hingabe zur Tradition, die dem Besucher das Gefühl gibt, dass die Zeit hier für einen Moment stillsteht.
Eine faszinierende architektonische Besonderheit, die Sie in der Gemeinde Névez auf Schritt und Tritt begleiten wird, sind die sogenannten „Men Zao“.
Der Name stammt aus dem Bretonischen und bedeutet übersetzt „aufrechte Steine“. Diese einzigartige Bauweise hat der Gegend den Beinamen „Le Pays des Pierres Debout“ eingebracht.
Uralte Handwerkskunst: Die langen, schmalen Granitblöcke wurden früher direkt aus dem anstehenden Gestein gewonnen. Da das Bearbeiten von Granit extrem mühsam war, nutzten die Bewohner die natürliche Form der Steine und stellten sie einfach aufrecht hin.
Überall präsent: Die Men Zao finden Sie in der gesamten Region in verschiedensten Funktionen:
In den Fassaden: Sie sind fest in die Mauern der Häuser verbaut.
Als Begrenzung: Sie dienen als unverwüstliche Gartenzäune und markante Grundstücksgrenzen.
Als Dekoration: In vielen Gärten stehen sie heute als stolze Zierelemente, die den Häusern ihren ganz eigenen, monumentalen Charakter verleihen.
Men Zao, pierres debout, aufrechte Steine in einer Hausfassade
Was auf den ersten Blick wie eine einfache Steinmauer wirkt, offenbart bei näherem Hinsehen seine gewaltigen Dimensionen. Die Men Zao sind beeindruckende Monolithe, die direkt aus der Umgebung von Névez stammen:
Beeindruckende Maße: Die Granitblöcke sind bis zu drei Meter lang, dabei aber nur etwa 30 bis 50 Zentimeter breit und rund 25 Zentimeter stark. Diese schlanke, hohe Form ermöglichte es, sie wie Palisaden dicht an dicht in den Boden zu setzen.
Ein besonderer Ort: Wer ein besonders eindrucksvolles Beispiel dieser Bauweise sehen möchte, sollte in Névez die Rue Men Zao besuchen. Dort findet man eine beeindruckende Reihe von 112 aufrechten Steinen, die das Stadtbild auf einzigartige Weise prägen.
'Pierres debout' in Nevez, Mauer aus aufrechten Steinen, Men Zao
Auf Youtube zeigen wir Ihnen das schönste Ende der Welt:
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