Wanderung Audierne - Pont-Croix

Wandern am Goyen

Von Audierne aus – der Einstieg befindet sich in unmittelbarer Nähe der Aquashow – führt ein bequemer, ebener Fußweg direkt am Ufer des Goyen entlang bis in das mittelaterliche Pont-Croix.

 

Dieser Weg folgt dem historischen Treidelpfad (Chemin de halage), auf dem früher Pferde die Schiffe flussaufwärts zogen.

Ein Fluss zwischen Land und Meer

Der Goyen ist ein typisch bretonischer Küstenfluss:

  • Kurzer Lauf: Er entspringt in Plonéis und mündet nach nur 32 Kilometern bei Audierne in den Atlantik.

  • Gezeitenspiel: Da der Goyen ein Ästuar (Gezeitenfluss) ist, verändert er sein Gesicht alle sechs Stunden. Bei Flut schimmert das Wasser grünlich im Sonnenlicht und füllt das Tal bis zum Rand, was für eine fast magische Atmosphäre sorgt. Bei Ebbe legen sich die Schlickflächen frei und offenbaren ein reich gedecktes Buffet für die Tierwelt.

Der Goyen im Morgennebel

Naturparadies Mündungsdelta

Der Goyen ist viel mehr als nur ein Fluss; sein Ästuar ist eine lebenswichtige Rast- und Futterstätte. Wenn Sie leise wandern und ein Fernglas dabeihaben, können Sie eine faszinierende Vielfalt entdecken:

  • Der Eisvogel (Martin-pêcheur): Er ist der "fliegende Edelstein" des Goyen. Oft sieht man ihn nur als blitzschnellen, türkisblauen Schimmer, der dicht über der Wasseroberfläche dahinjagt. Er liebt die ruhigen, bewachsenen Uferzonen des Treidelpfads, von wo aus er im Sturzflug nach kleinen Fischen taucht. Der Eisvogel sitzt oft regungslos auf Zweigen, die direkt über das Wasser ragen. Achten Sie auf kurze, helle, pfeifende Rufe ("Zieh!") – meist kündigt er sich akustisch an, kurz bevor er seinen Standort wechselt. Am Goyen ist der Eisvogel ein Standvogel. Da der Fluss zwischen Audierne und Pont-Croix sehr geschützt liegt und viele überhängende Bäume hat, ist er ein ideales Revier für ihn. 

  • Der Seidenreiher (Aigrette garzette): Mit seinem reinweißen Gefieder und den typischen gelben "Füßlingen" ist er der elegante Bewohner der Schlickflächen. Er wirkt oft kleiner und zierlicher als der bekannte Graureiher, der sich auch am Goyn aufhält.

  • Löffler (Spatule blanche):  Mit viel Glück und Geduld lassen sich zur Zugzeit sogar seltene Gäste wie die Löffler mit ihrem namensgebenden, löffelartigen Schnabel beobachten, wie sie das seichte Wasser nach Nahrung "durchsieben".  Man sieht sie vor allem im Spätsommer (August/September) oder im zeitigen Frühjahr, wenn sie auf dem Zug sind.

  • Uferschnepfen & Brachvögel: Besonders bei Ebbe sieht man diese Watvögel mit ihren langen Schnäbeln im Schlamm stochern. Der Große Brachvogel ist durch seinen wehmütig klingenden Ruf oft schon von weitem zu hören.

  • Brandgänse (Tadorne de Belon): Diese auffällig kontrastreich gefärbten Gänse (weiß, braun, schwarz mit rotem Schnabel) brüten gerne in Erdlöchern am Ufer und sind fast das ganze Jahr über am Goyen präsent. Man sieht sie dort fast das ganze Jahr über, besonders im Frühjahr.

Beobachtungs-Tipp: Die beste Zeit für Sichtungen ist die Stunde vor und nach Niedrigwasser. Dann sind die vogelreichen Schlickflächen (Vasières) freigelegt und die Tiere sind mit der Nahrungssuche beschäftigt.

Eisvogel

Der Weg nach Pont-Croix

Man wandert entspannt ca. 5 Kilometer auf dem ebenen Pfad direkt am Fluss entlang. Dabei erlebt man das faszinierende Spiel der Gezeiten hautnah: Während der Goyen bei Flut wie ein breiter, stolzer Strom wirkt, zeigt er sich bei Ebbe von seiner wilderen Seite und kann dann auch schon mal mit sehr wenig Wasser aufwarten. Doch gerade dann kommen die Vögel auf die freigelegten Schlickflächen, was den Weg kurzweilig und spannend macht.

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Rast im mittelalterlichen Juwel

In Pont-Croix angekommen, taucht man in eine andere Welt ein. Der mittelalterliche Stadtkern mit seinen malerischen, gepflasterten Gassen lädt zum Entdecken ein. Nach der Wanderung haben Sie sich eine Pause verdient:

  • Kulinarik: Direkt im Ort gibt es eine hervorragende Crêperie für den typisch bretonischen Genuss. Wer es etwas feiner mag, dem stehen einige sehr gute Restaurants zur Auswahl.

  • Sommer-Highlight: In den Sommermonaten findet an einem Abend pro Woche (Dienstag) ein charmanter Künstler- und Biomarkt statt. Hier gibt es nicht nur regionales Kunsthandwerk, sondern auch kleine Leckereien zum direkten Verspeisen vor Ort, untermalt von stimmungsvoller Live-Musik.

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In Pont Croix gibt es einen geführten Rundweg, der den Wanderer zu allen Sehenswürdigkeiten leitet.

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Der Rückweg: Neue Perspektiven

Für den Heimweg empfiehlt es sich, die Seite zu wechseln und am gegenüberliegenden Ufer (auf der Seite von Plouhinec) zurück nach Audierne zu wandern.

 

Dieser Weg unterscheidet sich deutlich vom bequemen Weg auf der anderen Seite des Goyen:

  • Der Charakter: Er ist ursprünglicher, unbefestigt und durchaus anspruchsvoller. Es warten einige Steigungen und abfallende Wegstücke auf Sie, die ein wenig mehr Trittsicherheit erfordern.

  • Die Atmosphäre: Belohnt werden Sie dafür mit einer herrlichen Ruhe. Dieser Pfad ist weitaus weniger frequentiert und bietet ein naturnahes Wandererlebnis. Besonders für Hundebesitzer ist diese Seite ideal, da die Vierbeiner hier oft entspannter die Natur erkunden können.

  • Das Panorama: Der Weg eröffnet eine völlig neue Perspektive auf das Flusstal. Je näher man der Küste kommt, desto öfter blitzt der glitzernde Atlantik am Horizont auf – ein wahrhaft krönender Abschluss für diese Tour.

Wichtiger Hinweis: In den Wintermonaten oder nach starken Regenfällen kann dieser unbefestigte Pfad sehr matschig und rutschig sein. In diesem Fall ist es ratsam, auf dem befestigten Weg auf der Audierne-Seite zu bleiben.

Wanderung am Goyen in Audierne, Cap Sizun, Pont-Croix nach Audierne, Seite von Plouhinec

Der Schiffsfriedhof

Ein Highlight auf dieser Uferseite ist der alte Schiffsfriedhof. Wie schlafende Riesen liegen hier am Ufer des Goyen die bizarren Gerippe ausgedienter Fischerboote im Schlamm.

 

Vom Salzwasser gegerbt und von der Zeit gezeichnet, bieten die hölzernen Wracks mit ihren freiliegenden Spanten ein faszinierendes Motiv. Besonders bei Ebbe, wenn die Boote komplett im Trockenen liegen, wirken sie wie vergessene Skulpturen, die von der großen maritimen Geschichte der Region erzählen. Ein stiller, fast ehrfürchtiger Ort, der zum Innehalten und Fotografieren einlädt.

Das Château de Locqueran: Ein herrschaftliches Erbe

Kurz bevor Sie wieder Audierne erreichen, taucht auf der Seite von Plouhinec ein beeindruckender Anblick auf: Das Château de Locqueran thront majestätisch hoch über dem Goyen und blickt auf die Wanderer herab.

 

Erbaut im Jahr 1870 von der Familie Lécluse, liegt das Schloss inmitten eines drei Hektar großen Parks. Die Geschichte dieses Hauses ist so wechselvoll wie die Gezeiten des Flusses:

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  • Aufstieg durch den Ozean: Die Familie Lécluse gelangte durch den Seehandel und die industrielle Verarbeitung von Algen-Dünger (Goémon) zu großem Reichtum. Sie besaßen mehrere Fabriken und prägten das Gesicht der Region. Während Sohn Emile ein Schloss direkt in Audierne errichtete, baute Amédée das Château de Locqueran in Plouhinec.

  • Vom Familiensitz zum Luxushotel: Da der Unterhalt des riesigen Anwesens Amédées finanzielle Mittel bald überstieg, wurde das Schloss schon früh in ein Hotel für zahlende Gäste umgewandelt. Ein prominenter Name findet sich in den Gästebüchern: Im Jahr 1895 residierte der berühmte Schriftsteller Guy de Maupassant im Château de Locqueran.

  • Wandel der Zeiten: Nach dem Ersten Weltkrieg musste das Château schließlich verkauft werden. Es ging in den Besitz der Stadt und des Hospizes von Audierne über. In den folgenden Jahrzehnten diente es erst als Ferienzentrum, später als Ausbildungszentrum für Arbeiterinnen.

Heute hat das Gebäude seine exklusive Bestimmung zurückgefunden: Nach einer erneuten Phase als Hotel wurde es schließlich zu hochklassigen Eigentumswohnungen umgewandelt. Auch wenn man es nur von außen bewundern kann, bleibt es ein imposantes Zeugnis der glanzvollen Epoche des 19. Jahrhunderts.

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Der Wanderweg führt beschildert direkt am Château vorbei und durch dessen Zufahrt wieder hinaus auf die Strasse nach Audierne.