Audierne, la rue du Cap, die Staße, die in Audierne hoch
in Richtung der Pointe du Raz führt
Immer wieder stößt man auf alte Postkarten, die eindrucksvoll zeigen, wie es am Cap Sizun in früheren Zeiten aussah und zuging. Diese Postkartenfunde werde ich hier nach und nach zusammentragen, um ein Bild des Caps 'Anno Dazumal' entstehen zu lassen.
Gerahmt hängen übrigens viele dieser Postkarten bei uns im Ferienhaus.
Die Bahnstrecke entlang am Goyen von Douarnenez nach Audierne
Die Eisenbahn am Cap Sizun
Fahrplan und Preise der Zuglinie Audierne-Douarnenez
Ja, Sie haben richtig gelesen, in früheren Zeiten konnte man per Zug ans Cap Sizun fahren. Audierne hatte einen Bahnhof und am Goyen entlang führten die Gleise in die große weite Welt!
Der Bahnhof von Audierne ............. ja, es gab tatsächlich einen Bahnhof!
Am 28. Januar 1894 wurden der Bahnhof von Audierne und gleichzeitig auch die 19,8 Kilometer lange Zugstrecke von Audierne, über Pont-Croix, Poullan, Beuzec und Lestrivin bis nach Douarnenez eröffnet. Ein Festtag für Audierne, hatte man doch schon über 20 Jahre sehnsüchtig auf eine solche Zugverbindung gewartet.
Dreimal täglich befuhr der Zug die Strecke in beide Richtungen und brauchte etwa eine Stunde, um Audierne mit Douarnenez zu verbinden. Schnell erhielt der Zug den Namen 'Youtar', er transportierte nicht nur in Audierne angelandete Sardinen zu den Konservenfabriken in Douarnenez, sondern auch Touristen, die auf dem Weg zur Pointe du Raz waren. Für sie wurde in den Sommermonaten sogar noch eine zusätzliche Fahrt eingeschoben.
Der Bahnhof von Pont-Croix
Am 31. Dezember 1938 wurde die Zugstrecke entgültig stillgelegt. Als Schmalspurbahn mit nur einem Meter Gleisbreite konzipiert und nie modernisiert, war es zu umständlich und unwirtschaftlich geworden, ständig alle Waren bei Umstieg auf die größere Gleisbreite in andere Züge umzuladen.
Die Lokomotive Nr. 12 mit dem Namen Landernau auf der Strecke Douarnenez-Audierne
Von 1912 bis 1935 gab es noch eine zweite Zuglinie, die den Bahnhof von Audierne anfuhr, den sogenannten 'Train des Carottes'
Diese Linie verband Pont-l'Abbé und Audierne, also das Bigoudenland und das Cap Sizun und transportierte hauptsächlich Gemüse und Passagiere. Der Zug hielt in jedem etwas größeren Ort am Weg und brauchte entsprechend lange für seine Fahrt bis nach Audierne.
Bereits in den zwanziger Jahren wurde diese private Zuglinie unrentabel, Lastwagen und Autobusse machen ihr große Konkurrenz, der Güter- und Passagiertransport war durch sie einfacher und schneller abzuwickeln. Im Jahr 1935 wurde daher der Train des Carottes schließlich stillgelegt.
Halt des Train de Carottes im Bahnhof von Plozévet (Foto Collection Capitaine)
Plouhinec Poulgoazec, der alte Hafen
Plouhinec-Poulgoazec, der alte Hafen und das Lavoir von Poulgoazec
Audierne, Hafen der Langustenfischer und der Thoniers /Thunfischfänger
Der Hafen von Audierne, schon im Mittelalter bekannt als 'la trêve du Goyen' (Trefgoazien), Mitte des 14. Jahrhunderts dann in einem venetianischen Atlas als 'Odierna' eingezeichnet und
1580 auf einer niederländischen Seekarte als 'Odjern' erwähnt, gewann im 15. und 16. Jahrhundert große Bedeutung dank der ansässigen Fischereiflotte und der Trocknungsbetriebe. Die Handelsflotte
von Audierne bereiste die Meere zwischen Gibraltar und den skandinavischen Ländern und brachte großen Wohlstand nach Audierne. Salz, Getreide und Trockenfisch tauschten den Platz in den Bäuchen
der Schiffe mit Wein, Stoffen, Gewürzen, Holz und Eisen.
Die Seeleute von Audierne waren berühmt für ihre Navigationsfähigkeiten. Sie waren unter den ersten Pionieren, die die fischreichen Kabeljaubänke vor Neufundland entdeckten und machten dort jahrhundertelang reiche Beute. So kommt es auch, dass man auf der Landkarte eine neufundländische Insel mit dem Namen 'Oderin', (angliziert von 'Audierne') findet.
Ende des 16. Jahrhunderts waren 165 Händler in Audierne ansässig und die Flotte im Hafen zählte über 200 Schiffe.
Der Hafen von Audierne um 1900
Im Jahr 1847 wurde schließlich die 'Môle du Raoulic' gebaut und 1852 der eigentliche Leuchtturm, le 'Phare de Raoulic'. Die 'Passerelle des Capucins' entstand 1894.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden diverse Sardinenfabriken und man baute die 'Rue du 14 Juillet', damit das Cap Sizun erreicht werden konnte, ohne die Stadtmitte von Audierne durchqueren zu müssen. Im Volksmund nannte man sie die 'Rue du Cap'.
Und noch einmal die rue du Cap in Audierne
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Langusten- und Krustentierfischerei eine wichtige Erwerbsquelle der Fischer von Audierne. Man fischte nun mit den sogenannten 'casiers' (Reusen) und in Audierne entstanden die 'Viviers', eine Anlage mit Meerwasserbecken in denen die Krustentiere bis zum Verkauf lebend gelagert werden können. Audierne profitierte von den reichen Fanggründen in der Chaussée de Sein, doch die Langustenfischer segelten auch hinüber bis vor die englische und irische Küste.
Eine Fischerfamilie in Audierne, Anfang des 20. Jahrhunderts
Frauen in einer der Fischfabriken von Audierne
Bis in die sechziger Jahre hinein blieb Audierne, zusammen mit Camaret, einer der beiden größten Häfen für den Langustenfang in Frankreich.
Audierne, Hafenansichten
1921 hatte Audierne über 4100 Einwohner und der Tourismus begann ein Bestandteil des Wohlstandes der Stadt und ihrer Bewohner zu werden.
Die 'Grande plage d' Audierne wurde aber nicht nur von den ersten Touristen besucht, sondern auch von Malern wie Renoir oder Buffet, die das besondere Licht und die klaren Linien des Caps zu schätzen wussten.
Der Phare de Trescadec, oberhalb des Strandes in Audierne
Audierne. Plage de Trescadec
Markt in Audierne
Der Marktplatz von Audierne, damals schon der selbe Platz
Holzschuhmarkt in Audierne
Die alte Brücke (Pont du Goyen): Die erste Brücke von Audierne, die 1856 in Betrieb genommen wurde, verfügte über eine bewegliche Brückenklappe (Zugbrücke) für die Durchfahrt von Schiffen auf den Goyen.
Die Brücke war mit einem beweglichen Brückenfeld ausgestattet, das sich nach dem Prinzip einer Zugbrücke anheben ließ, um Schiffe passieren zu lassen.
Probleme: Das 82 Meter lange Bauwerk war aufgrund starker Windböen, die den beweglichen Teil beschädigten, häufig außer Betrieb.
Die alte Brücke wurde später durch eine modernere Betonbrücke ersetzt, die flussaufwärts gebaut, dann abgerissen und schließlich in den 1970er Jahren durch die heutige Brücke ersetzt wurde, was das Ende der Ära der Öffnungsbrücken an dieser Stelle bedeutete.
Die alte Brücke zwischen Audierne und Plouhinec, sie konnte für Schiffe hochgeklappt werden.
Irische Guipure Spitze in Plouhinec, Anfang 1900
1903 gründete Mme de Lécluse-Trévoëdal in ihrem Schloss in Locquéran in Plouhinec eine Werkstatt zur Herstellung irischer Spitzen, um den Töchtern der Fischer und den verheirateten Frauen einen Beruf zu verschaffen.
Sie schuf sogar eine Variante der „irischen Spitze”, die „bretonische Spitze” genannt wurde. Die Zeitung La Croix beschrieb angesichts der Sardinenkrise die Unterstützung durch die Arbeit in der Spitzenherstellung im Jahr 1907:
„Die Spitzenherstellung in Plouhinec beschäftigt 420 Arbeiterinnen, von denen 120 in der Werkstatt und 300 zu Hause arbeiten. Nur junge Mädchen werden in der Werkstatt zugelassen. Die Werkstatt von Plouhinec ist aus Holz, gut beleuchtet und in hellen Farben gestrichen. Sie empfängt die Arbeiterinnen morgens von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 13:30 bis 18:30 Uhr; um 16 Uhr wird ihnen eine Viertelstunde Pause gewährt. Im Sommer, wenn das Wetter es zulässt, arbeiten sie im Freien im kühlen Schatten des Parks von Madame Henri de Lécluse.
Plouhinec, Guipure Spitze.
Plouhinec - Pors Poulhan
Pors Théolen und die Buvette
Es war einmal an der Pointe du Raz
Die Pointe du Raz übte schon immer eine große Anziehungskraft auf naturverbundene Menschen aus. Die Anwohner der Gegend nutzten das
touristische Interesse und begannen, in den Tourismus zu investieren. Die ersten Hotels entstanden im Jahr 1909 und zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg boten ganze fünf Hotels den
Reisenden an der Pointe du Raz eine Übernachtungsmöglichkeit an.
L'Hôtel du Raz de Sein, Pointe du Raz
Die ursprüngliche Landschaft der Pointe du Raz inspirierte auch Schriftsteller wie Victor Hugo oder Gustave Flaubert und ihre Erzählungen über diesen magischen Ort ganz am Ende der Welt trugen mit dazu bei, dass schon ab Ende des 19. Jahrhunderts, begünstigt auch durch die Eisenbahn und die neuen Automobile vermögende Touristen ihren Weg an die Pointe fanden. Die Einnheimischen boten geführte Besichtigungen an und immer mehr Geschäfte begannen, sich an der Pointe du Raz anzusiedeln.
Grand Hotel de la Pointe du Raz
Im Jahr 1956 wurde die Pointe du Raz vom Conseil Général du Finistère für geschätzte 15 Millionen Francs gekauft und nach und nach entstand an der Pointe eine kleine Stadt mit Geschäften und ein zwei Hektar großer Parkplatz, Hotels und Restaurants schossen aus dem Boden und zogen noch mehr Touristen an.
Der riesige Parkplatz und die Geschäfte, direkt vorne an der Pointe du Raz
Die Besucherzahlen nahmen drastisch zu und der natürliche Charakter der Pointe du Raz ging mehr und mehr verloren. In den achziger Jahren zählte man bereits eine halbe Million Touristen pro Saison, schnell stieg diese Zahl auf eine Million an. Die Vegetation der Pointe wurde mehr und mehr geschädigt, eine 1989 erstellte Studie der SEPBN sprach sogar von ganzen sechs Hektar zerstörter Landschaft. Es war klar, dass gehandelt werden musste, wollte man diesen großartigen Ort erhalten.
In den Jahren 1996 bis 2000 wurde die Renaturierung der Pointe du Raz verwirklicht.
An der Pointe selbst wurden drastische Abrissmaßnahmen durchgeführt, denen leider auch das kleine Hotel de l'Iroise von Mme Le Coz zum Opfer fiel und ein großes Touristenzentrum und ein neuer Besucherparkplatz wurden in einiger Distanz von der Pointe gebaut.
Hier ein Video über das Hotel von Mme le Coz, das am ersten Februar 1997 dem Erdboden gleich gemacht wurde, obwohl es ein Wahrzeichen der Pointe war: https://vimeo.com/1835093
Im Jahr 2004 erhielt die Pointe du Raz das Label 'Grand Site de France'
Das Hotel de l'Iroise, seitlich an der Pointe du Raz gelegen, ist heute verschwunden
Die SNSM - les sauveteurs en mer
Die Seenotretter
Heute kennt sie fast jeder Bretagneurlauber, die schnittigen und hochmotorisierten Boote der französischen Seenotretter mit dem orangefarbenen Aufbau. Sie sind immer dann zur Stelle, wenn ein Menschen in Seenot geraten, egal ob es sich dabei um Fischer oder um Freizeitkapitäne handelt.
Früher sahen die Boote der Seenotretter noch ganz anders aus. Die Seenotretter selbst waren Freiwillige, Ehrenamtliche, genau wie das heute der Fall ist.
Seenotretter von Audierne um 1900. Postkarte
Die SNSM wurde im Jahr 1967 als Zusammenschluss mehrerer Gruppen von Seenotrettern gegründet. Sie ist bis heute ein Verband von ehrenamtlichen Helfern, die ohne Erhebung von Kosten Menschenleben auf dem Meer und an den Küsten unter Einsatz ihres eigenen Lebens retten.
Wie man am fürchterlichen Unglück von 2019 in Sables d'Olonne sieht, sind die Seenotretter oftmals selbst in Lebensgefahr, während sie versuchen, Menschenleben zu retten. Dort starben drei Seenotretter, als ihr Boot kenterte.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, bei den Vorläufern der SNSM sahen die Boote noch ganz anders aus und die Gefahr für die Seenotretter, selbst in den Wellen umzukommen, war sehr groß.
Die Seenotretter damals
Pont-Croix
In den Strassen von Pont-Croix
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