Penmarc’h & Phare d’Eckmühl: Granit und Licht

Pointe de Saint Pierre - Phare d'Eckmühl - St. Guénolé

Nach einer guten halben Stunde Autofahrt von Plouhinec aus erreichen Sie Penmarc’h. Die Gemeinde ist geprägt durch ihren im Binnenland gelegenen Hauptort und die drei charmanten Küstenorte Saint-Guénolé, Saint-Pierre und Kérity, die jeweils ihren ganz eigenen Charakter bewahrt haben.

Phare d'Eckmühl, Penmarc'h, Leuchtturm, Pays Bigouden, Ende der Bucht von Audierne

Die Pointe de Saint-Pierre: Das südliche Ende der Bucht

Die Landzunge von Penmarc'h beim Örtchen Saint-Pierre bildet das markante südliche Ende der weiten Bucht von Audierne. Sie ist das geografische „Gegenstück“ zur berühmten Pointe du Raz im Norden. Während dort steile Klippen aufragen, zeigt sich die Küste hier flacher, aber nicht weniger rau und beeindruckend.

 

Der Phare d’Eckmühl: Ein Leuchtturm von Weltrang

An diesem strategisch wichtigen Punkt weist der berühmte Phare d’Eckmühl den Schiffen den Weg vorbei an den gefährlichen Riffen des Süd-Finistère. Er ist weit mehr als nur ein Seezeichen – er ist ein architektonisches Meisterwerk.

 

Ein Denkmal aus Granit: Der Turm wurde 1897 eingeweiht und verdankt seine Existenz einer großzügigen Spende der Marquise de Blocqueville, die ihn zu Ehren ihres Vaters, des Marschalls Davout (Fürst von Eckmühl), errichten ließ.

 

Innere Pracht: Wer die 307 Stufen erklimmt, wird nicht nur mit einer grandiosen Aussicht belohnt, sondern wandelt auf Treppen aus edlem Carrara-Marmor und blickt auf Wände, die mit glänzendem Opalglas (Opaline) verkleidet sind – ein für Leuchttürme seltener Luxus. 

Phare d'Eckmühl, Penmarc'h, Leuchtturm, Pays Bigouden

Die drei Wächter der Pointe de Saint-Pierre

An der Pointe de Saint-Pierre erleben Besucher eine architektonische Zeitreise. Gleich drei Leuchttürme aus verschiedenen Epochen stehen hier auf engstem Raum beieinander – doch einer überragt sie alle an Ruhm und Größe: der Phare d’Eckmühl.

 

Ein bayerischer Name an der bretonischen Küste

Der Name des Turms klingt weder französisch noch bretonisch, und seine Entstehung ist einer rührenden Familiengeschichte zu verdanken.

  • Das Vermächtnis der Marquise: Die Einweihung am 17. Oktober 1897 geht auf das Testament von Adélaïde-Louise d’Eckmühl de Blocqueville zurück. Sie stiftete die damals enorme Summe von 300.000 Francs für den Bau, unter einer Bedingung: Der Leuchtturm müsse den Namen „d’Eckmühl“ tragen.

  • Ehre für den Vater: Damit setzte sie ihrem Vater, dem Marschall Louis Nicolas Davout, ein bleibendes Denkmal. Davout war Herzog von Auerstädt und Prinz von Eckmühl – ein Titel, den er nach seinem Sieg in der blutigen Schlacht von Eggmühl im Jahre 1809 nahe dem gleichnamigen bayerischen Dorf erhalten hatte.

  • Sicherheit an gefährlicher Küste: So wurde aus dem Namen eines Schlachtfeldes ein Symbol der Lebensrettung. Mit seinen 60 Metern Höhe ist der Phare d'Eckmühl heute einer der höchsten Leuchttürme Europas und sichert unermüdlich einen der gefährlichsten Küstenabschnitte ganz Frankreichs.

Phare d'Eckmühl, Penmarc'h, Marschall Louis Nicolas Davout, Herzog von Auerstädt und Prinz von Eckmühl

Ein Denkmal der Menschlichkeit: Das Erbe der Marquise

Die Entscheidung der Marquise de Blocqueville war weit mehr als eine bloße Geste des Stolzes. Ihr Motiv war tief verwurzelt in dem Wunsch nach Wiedergutmachung:

  • Vom Schlachtfeld zum Lebensretter: Der Name „Eckmühl“ war in der Mitte des 19. Jahrhunderts untrennbar mit den schrecklichen und blutigen Erinnerungen an die napoleonischen Kriege verbunden.

  • Sühne durch Hilfe: Die Marquise wollte das Ansehen des Familiennamens wiederherstellen. Ihr Ziel war es, dass der Name Eckmühl nicht mehr für vergossenes Blut auf bayerischen Feldern steht, sondern für die Rettung von Seefahrern an der gefährlichen Küste des Finistère.

  • Ein bleibendes Vermächtnis: Jedes durch das Licht des Turms gerettete Leben sollte dazu beitragen, die dunklen Schatten der Vergangenheit zu vertreiben und den Namen ihres Vaters mit einer Tat der Humanität zu verbinden.

Phare d'Eckmühl, Penmarc'h, Marschall Louis Nicolas Davout, Herzog von Auerstädt und Prinz von Eckmühl

In ihrem Testament vom Dezember 1892 hinterließ die Marquise Adélaïde-Louise d’Eckmühl de Blocqueville nicht nur eine Summe Geldes, sondern auch eine Friedensbotschaft, die bis heute unter dem Leuchtfeuer von Penmarc’h nachhallt:

„Les larmes versées par la fatalité des guerres, que je redoute et déteste plus que jamais, seront ainsi rachetées par les vies sauvées de la tempête.“

 

"Die Tränen, vergossen durch das Verhängnis des Krieges, vor dem ich mich fürchte und den ich mehr denn je hasse, mögen durch die vom Sturm geretteten Leben freigekauft werden."

Marquise Adélaïde-Louise d’Eckmühl de Blocqueville, Dezember 1892

Phare d'Eckmühl, Leuchtturm, Penmarc'h, Treppe im Inneren des Leuchtturms

Praktische Informationen für Ihren Besuch

Wer schwindelfrei und gut zu Fuß ist, kann den 60 Meter hohen Phare d'Eckmühl über eine beeindruckende Wendeltreppe mit 307 Stufen erklimmen. Oben angekommen, werden Sie mit einer atemberaubenden Rundumsicht über das Pays Bigouden und den Atlantik belohnt.

 

Öffnungszeiten (Stand 2025):

  • April, Mai, Juni & September: täglich von 10:30 bis 18:30 Uhr

  • Juli & August: täglich von 10:30 bis 19:30 Uhr (oft auch Abendbesichtigungen möglich)

  • Oktober bis 11. November: täglich von 14:00 bis 18:00 Uhr

  • Hinweis: Der letzte Aufstieg ist meist 30 Minuten vor Schließung möglich.

Eintrittspreise: Der Zugang zum Turm ist kostenpflichtig (ca. 5 € für Erwachsene). Die Einnahmen dienen dem Erhalt dieses historischen Monuments.

 

Rund um den Leuchtturm: Handwerk und Wissen

Ein Besuch lohnt sich auch am Boden:

  • Regionales Handwerk: Direkt vor dem Leuchtturm finden Sie oft Stände, an denen die für das Bigoudenland typischen Spitzenhauben sowie handgefertigte Stickereien und Erzeugnisse der Region angeboten werden.

  • Centre de la Mer: Gleich nebenan, im „alten Leuchtturm“, befindet sich das Meereszentrum. Hier erfahren Sie in verschiedenen Ausstellungen alles Wissenswerte über das Ökosystem Meer und die maritime Geschichte der Region.

Phare d'Eckmühl, Leuchtturm, Penmarc'h, Geschichte

Vom Phare d’Eckmühl aus ist es nur ein Katzensprung: Nach einer kurzen Fahrt entlang der Küstenstraße erreichen Sie Saint-Guénolé. Während der Leuchtturm für Sicherheit und Ordnung steht, erleben Sie hier die ungezähmte Seite des Atlantiks und einen pulsierenden Fischereihafen.

Fischerboote im Hafen von St. Guénolé, Pays Bigouden

Ein Hafen der Superlative: Das wirtschaftliche Herz von Saint-Guénolé

Hinter der Kulisse der gewaltigen Felsen verbirgt sich einer der aktivsten Orte der gesamten Bretagne. In Saint-Guénolé spürt man die tiefe Verbindung der Menschen zum Meer in jeder Sekunde.

  • Einer der größten Sardinenhäfen der Bretagne: Mit einer jährlichen Fangmenge von rund 14.000 Tonnen gehört Saint-Guénolé zu den bedeutendsten Fischereihäfen Frankreichs. In der Bretagne belegt er stolz den dritten Platz der großen Sardinenhäfen – direkt nach Concarneau und Lorient.

  • Die „Demoiselles“ und mehr: Nicht nur die Sardine ist hier Königin. Der Hafen ist ebenso bekannt für die Anlandung von Langoustinen (Kaisergranat) höchster Qualität. Wer am späten Nachmittag an der Kaimauer steht, kann das geschäftige Treiben beobachten, wenn die Flotte zurückkehrt und die frischen Schätze des Ozeans entladen werden.

  • Authentisches Erlebnis: Hier ist nichts „nur für Touristen“ gemacht. Das Klappern der Fischkisten, die Rufe der Fischer und der Geruch von Salz und frischem Fisch machen den Besuch zu einem echten, ungeschönten Erlebnis bretonischer Lebensart.

Fischerboote im Hafen von St. Guénolé, Pays Bigouden

Das Spektakel der „Criée“: Wenn der Hafen zum Leben erwacht

Der Alltag in Saint-Guénolé folgt einem festen, jahrhundertealten Rhythmus. Sobald die Boote vertäut sind, beginnt an den Kais ein gut organisiertes Chaos:

Das Entladen der Fische und Krustentiere startet, gefolgt vom lautstarken Verkauf in der örtlichen Versteigerungshalle, der Criée.

Für Besucher ist es ein faszinierendes Schauspiel, das sich dreimal täglich in verschiedenen Facetten wiederholt:

 

Ab 06:30 Uhr: Die Rückkehr der Sardinenfischer: Nach einer Nacht auf dem Meer laufen die flinken Boote ein und entladen das „silberne Gold“ der Bretagne.

Ab 16:30 Uhr: Die Küstenfischerei: Die Kutter kehren mit ihrem Tagesfang zurück. Hier erleben Sie die Anlandung von des Fangs – Frische in Perfektion.

Ab 19:00 Uhr: Die Hochseeflotte: Während der Nacht laufen die großen Schiffe ein, die bis zu 12 Tage auf See waren. Ihr Fang wird für die große Versteigerung am nächsten Morgen vorbereitet.

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Markttag in Saint-Guénolé: Ein Fest für die Sinne

Ein absolutes Muss für jeden Besucher ist der große Wochenmarkt, der direkt hinter dem Hafen stattfindet. Er ist weit über die Grenzen von Penmarc’h hinaus beliebt und verwandelt den Ort jeden Freitag in ein buntes Meer aus Düften und Farben.

 

Wann & Wo: Jeden Freitag von 08:30 bis 12:30 Uhr, direkt am Hafenplatz.

 

Das Angebot: Hier finden Sie die gesamte kulinarische Vielfalt des Bigoudenlandes auf engstem Raum. Von fangfrischem Fisch und glänzenden Austern über würzigen Käse der Region bis hin zu duftendem, handwerklichem Brot – es gibt nichts, was das Genießerherz hier nicht begehrt.

 

Ein kulinarischer Geheimtipp: Die „Kuings“

Wenn Sie freitags über den Markt schlendern, führt kein Weg an einem ganz besonderen Stand vorbei: "Les Bigoudènes de Saint Gué".

 

Kult-Gebäck: Der Kouign aus dem Bigoudenland, oft Kouign des Gras genannt und nicht zu verwechseln mit dem Kouign-Amann: Ein dicker, fluffiger Hefekuchen, der in der Pfanne gebacken wird, eine echte Besonderheit des Pays Bigouden. Er erinnert eher an einen sehr dicken Pancake oder einen Eierkuchen, ist aber viel fester und hefig-süß. Außen leicht knusprig, innen wunderbar fluffig, schmeckt er am besten noch warm, direkt aus der Hand. Ein authentischeres Geschmackserlebnis werden Sie kaum finden!

 

Am Stand der "Bigoudènes" auf dem Markt werden diese Kouigns stapelweise frisch gebacken. Man kauft sie meist im 5er- oder 10er-Pack.

Kouign Bigouden, Pancake aus dem Bigoudenland, Bretagne, Finistère

Ein Kouign Bigouden, unwiderstehlich gut.

Die Rochers de Saint-Guénolé: Skulpturen aus Granit

Nur einen kurzen Spaziergang vom Hafen entfernt erwartet Sie eines der spektakulärsten Naturschauspiele des Pays Bigouden: die Rochers de Saint-Guénolé. Hier hat der Atlantik über Jahrtausende hinweg den harten Granit bearbeitet und eine Landschaft aus bizarren Felsformationen geschaffen.

Ein Spielplatz der Fantasie

Die Natur hat hier als Bildhauer gewirkt. Mit ein wenig Fantasie lassen sich in den riesigen Gesteinsbrocken verschiedene Gestalten erkennen. Die Einheimischen haben ihnen im Laufe der Zeit passende Namen gegeben, wie etwa den „Elefantenfuß“ oder die „Hasenohren“. Es ist ein magischer Ort für Fotografen, besonders wenn das Abendlicht die grauen Steine in warme Goldtöne taucht.

Les Rochers de St. Guénolé, Felsen an der Küste, Bretagne, Finistère

Die ungezähmte Kraft des Meeres

Wenn der Wind aus Westen weht, zeigen die Felsen ihr zweites Gesicht. Dann peitscht die Brandung mit einer unglaublichen Wucht gegen die Küste und die Gischt schießt meterhoch in die Luft.

 

Wichtiger Sicherheitshinweis:

So faszinierend dieses Schauspiel auch ist, unterschätzen Sie niemals die Gefahr. Die sogenannten „Lames de fond“ (plötzliche Grundwellen) können selbst bei scheinbar ruhiger See überraschend über die Felsen spülen. Bleiben Sie daher zu Ihrer eigenen Sicherheit bitte immer auf den markierten Wegen hinter den Absperrungen.

Warnschild, gefährliche Wellen, St. Guénolé, Bretagne, Finistère