Der Ménez-Hom: Das Dach der Westbretagne

Aussicht vom Berg Ménez-Hom in der Westbretagne

Der Ménez-Hom bietet eine schöne Aussicht auf die Bucht von Douarnenez

Der Ménez-Hom, ein erloschener Vulkan, ist der höchste bretonische Berg außerhalb der Monts d'Arée. Als westlicher Ausläufer der Bergkette der „Montagnes Noires“ (Schwarze Berge) zählt er zu den schönsten Aussichtspunkten der gesamten Bretagne.

Ihr Panorama-Erlebnis: Bei klarem Wetter genießen Sie eine spektakuläre Rundumsicht. Eine Panoramatafel auf dem Gipfel hilft Ihnen bei der Orientierung über die weite Landschaft:

  • Küstenblick: Von der Halbinsel Crozon über die Bucht von Douarnenez bis hin zum Cap Sizun.

  • Wasserwege: Überblicken Sie die Rade de Brest sowie die beeindruckende Mündungsbucht von Aulne und Faou.

  • Landesinnere: Verfolgen Sie den Verlauf des Aulne-Tals, dessen Ausläufer sich malerisch im Hinterland verlieren.

Egal, ob Sie die bequeme Auffahrt oder die sportliche Herausforderung bevorzugen – der Ménez-Hom ist für jeden Besuchertyp bestens erschlossen:

  • Bequeme Anfahrt: Eine schmale Straße führt von Süden her bis auf wenige Meter direkt unter den Berggipfel. Von dort aus sind es nur noch ein paar Schritte bis zum Panorama-Punkt.

  • Wanderparadies: Für Aktivurlauber gibt es verschiedene, gut beschilderte Wanderwege. Besonders die Nordseite bietet einige der schönsten Touren der Region mit abwechslungsreichen Ausblicken auf das Aulne-Tal.

Wussten Sie schon? Eigentlich besteht der Ménez-Hom aus zwei markanten Gipfeln, die etwa 800 Meter voneinander entfernt liegen:

  1. "Yed": Der Hauptgipfel und höchste Punkt.

  2. "Yelc'h": Der Petit Ménez, der dem Hauptgipfel vorgelagert ist.

Ein Spaziergang zwischen diesen beiden Punkten vermittelt erst richtig das Gefühl für die Weite dieser uralten Gebirgskette.

Gleitschirmflieger am Ménez-Hom in der Bretagne

Gleitschirmflieger am Ménez -Hom

Geschichte & Abenteuer: Vom Signalfeuer zum Gleitschirmflieger

Ein strategischer Wachturm der Antike

 

Schon für die Kriegsherren der Antike war der Ménez-Hom von unschätzbarem Wert. Von seinem Gipfel aus ließ sich die gesamte Umgebung weitläufig überwachen. Bei drohender Gefahr entzündete man ein Signalfeuer, das von Gipfel zu Gipfel weitergeleitet wurde – ein frühes Warnsystem, das die gesamte Region in Alarmbereitschaft versetzte.

 

Buntes Treiben am Himmel

 

Heute dienen die Aufwinde des Berges friedlicheren Zwecken: Der Ménez-Hom ist ein Mekka für Gleitschirmflieger und Modellflug-Enthusiasten. Bei passendem Wetter können Sie fast immer die bunten Schirme beobachten, wie sie lautlos über die Hänge gleiten.

 

Möchten Sie selbst abheben? In Plomodiern ansässig, bietet die örtliche Gleitschirmflugschule Kurse direkt am Ménez-Hom an. Das Angebot reicht von Schnupperstunden bis hin zu Wochenkursen für Drachen- und Gleitschirmfliegen.

  • Tandemflüge: Wer die spektakuläre Aussicht lieber als Passagier genießen möchte, kann einen Tandemflug buchen.

  • Weitere Infos: École de Vol Libre du Ménez-Hom

Gleitschirmflieger am Ménez Hom, Bretagne

Ein Ausbilder weist einen Gleitschirmflugschüler am Ménez-Hom ein

Mythen & Legenden: Das Geheimnis des Königs Marc’h

Wie fast jeder besondere Ort in der Bretagne, ist auch der Ménez-Hom von Sagen umwoben. Als einer der heiligen Berge Armoricas diente er bereits in vorchristlicher Zeit als Kultplatz, wovon Megalithanlagen und keltische Funde an seinen Flanken bis heute zeugen.

Das Grab des Königs mit den Pferdeohren

Die bekannteste Legende rankt sich um König Marc’h (bretonisch für Pferd), den Herrscher der Cornouaille. Er soll unter einer Steinpyramide an einer der Bergflanken begraben liegen.

  • Der Fluch: Die Sage erzählt, dass Marc’h nach der Jagd auf eine weiße Hirschkuh verflucht wurde und fortan mit Pferdeohren gestraft war.

  • Die Erlösung: Erst wenn sein Grabhügel hoch genug ist, um von der Spitze der Kapelle Sainte-Marie-du-Ménez-Hom aus gesehen zu werden, wird seine Seele frei sein.

  • Ein aussichtsloses Unterfangen: Bis heute werfen Besucher traditionell einen Stein auf den Hügel, um dem König zu helfen. Doch die Legende birgt eine tragische Ironie: Das Grab liegt auf der Bergseite, die der Kapelle genau abgewandt ist – eine Sichtverbindung wird also niemals möglich sein.

Rundfahrt auf königlichen Spuren

Für alle, die tiefer in die Geschichte eintauchen wollen, gibt es die Themenstrecke „Sur les Pas du Roi Marc’h“ (Auf den Spuren des Königs Marc’h).

 

Diese Route führt vom Grab von König Marc'h am Ménez-Hom bis nach Locronan und verbindet die wichtigsten Schauplätze dieser faszinierenden Sage.

  • Das Konzept: Die Route lädt dazu ein, das kulturelle Erbe des Finistère mit den Sinnen und der Fantasie zu entdecken. König Marc’h selbst fungiert dabei als Ihr „virtueller Reisebegleiter“.

  • Der Verlauf: Die Tour startet symbolisch am Grabhügel des Königs auf dem Gipfel des Ménez-Hom. Von dort führt sie über die Halbinsel Crozon (mit Stationen wie dem Cap de la Chèvre und Camaret-sur-Mer) bis hinunter in das malerische Locronan.

  • Die Stationen: Insgesamt gibt es 54 Entdeckungspunkte in verschiedenen Gemeinden. Die Route ist so konzipiert, dass man sie an einem Tag abfahren oder gemütlich in mehreren Etappen während des Urlaubs erkunden kann.

  • Das Ziel: Der Weg führt Sie durch die „Dualitäten“ der Bretagne – das Reale und das Imaginäre, das Wasser und das Feuer – und hilft (symbolisch) der Seele des Königs, auf ihrem Weg nach Locronan endlich Ruhe zu finden.

Möchten Sie sich ganz auf die Spuren des Königs begeben? In den örtlichen Tourismusbüros (z. B. in Plomodiern oder Locronan) erhalten Sie das 'Carnet de Route'. Dieses liebevoll gestaltete Heft führt Sie mit Skizzen und Erzählungen durch die 54 Etappen der Rundreise und verbindet die Infotafeln vor Ort zu einem unvergesslichen Erlebnis.

 

Die Sage von König Marc'h mit den Pferdeohren ist hier nachzulesen

Touristische Rundfahrt; auf den Spuren von König Marc'h, Bretagne

Foto © aulne-porzay-tourisme.com

Ein Juwel am Wegesrand: Die Kapelle Sainte-Marie-du-Ménez-Hom

Nur etwa zwei Kilometer südlich des Gipfels liegt das idyllische Dörfchen Sainte-Marie-du-Ménez-Hom. Bevor Sie die Auffahrt zum Berg antreten oder auf dem Rückweg sind, sollten Sie hier unbedingt einen Halt einplanen.

 

Der Ort beherbergt einen vollständig umfriedeten Pfarrbezirk, der mit seinem markanten Triumphbogen und dem detailreichen Kalvarienberg beeindruckt. Die Kapelle selbst wurde zwischen 1570 und 1773 erbaut und liegt gut erreichbar direkt an der D887.

 

Warum sich der Blick ins Innere lohnt: Lassen Sie sich nicht von der schlichten Fassade täuschen – das Innere der Kapelle ist eine wahre Schatzkammer der bretonischen Handwerkskunst:

  • Prachtvolle Altaraufsätze: Drei vergoldete Barock-Retabel aus dem 18. Jahrhundert schmücken den Chorraum.

  • Faszinierende Statuen: Sie finden hier zahlreiche polychrome Holzfiguren, die typisch für die tiefe Volksfrömmigkeit der Region sind.

  • Besondere Atmosphäre: Die Stille und das gedämpfte Licht in der Kapelle bilden einen wunderbaren Kontrast zur weiten, windigen Freiheit auf dem Gipfel des Ménez-Hom.

Sainte-Marie-du-Ménez-Hom, Kirche in der Bretagne, Finistère

Die Kapelle Sainte-Marie-du-Ménez-Hom, ein 'Muß' wenn man in der Gegend ist

Ein geschütztes Kulturerbe

Das Prunkstück im Inneren der Kapelle sind die drei beeindruckenden Barock-Altäre. Ihre meisterhaften Holzarbeiten aus den Jahren 1703 und 1710 sind von so außergewöhnlicher Qualität, dass sie als „Monuments Historiques“ offiziell unter Denkmalschutz stehen.

 

Besonders der Detailreichtum der Schnitzereien und die prachtvolle Vergoldung ziehen jeden Betrachter sofort in ihren Bann und machen Sainte-Marie-du-Ménez-Hom zu einem der bedeutendsten kunsthistorischen Stopps in der gesamten Cornouaille.

Sainte-Marie-du-Ménez-Hom, Kirche in der Bretagne, Finistère, Altar

Die Altar-Zyklen: Ein Meisterwerk der Ikonographie

Die drei als „Monuments Historiques“ klassifizierten Barock-Altäre bilden das Herzstück der Kapelle. Jeder Altar folgt einem eigenen thematischen Programm:

  • Der Hauptaltar (Chor): Dieser imposante dreiteilige Altar ist der Jungfrau Maria und der Heiligen Familie gewidmet. Er wird von weiteren Heiligenfiguren flankiert, die das zentrale Mysterium einrahmen.

  • Der Süd-Altar: Er ist den Säulen der Kirche gewidmet. Hier finden Sie Darstellungen der Apostel Saint Pierre (Petrus), Saint Jacques (Jakobus), Saint André (Andreas) und Saint Paul (Paulus).

  • Der Nord-Altar: Dieser Altar zeigt eine Gruppe bedeutender Heiliger, darunter Saint Jean-Baptiste (Johannes der Täufer), Saint Louis, Saint Laurent (Laurentius) und die heilige Marie-Madeleine (Maria Magdalena).

Die feinen Holzarbeiten und die leuchtenden Farben dieser Ensembles aus den Jahren 1703 und 1710 machen den Besuch zu einer Reise in die Blütezeit der bretonischen Sakralkunst.

Das Geheimnis der „Brigitte vom Ménez-Hom“

Die als „Brigitte du Ménez-Hom“ bekannte Bronzestatue ist weit mehr als nur ein Fundstück – sie gilt als die älteste bekannte Darstellung einer Frau in der Bretagne und datiert aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr.

Die abenteuerliche Fundgeschichte

Die Geschichte ihrer Entdeckung ist fast so legendär wie der Berg selbst:

  • Zufall & Ausdauer: Im Mai 1913 pflügte der 17-jährige Jean Labat ein Feld am Nordosthang des Berges (Hameau de Kerguilly), das zuvor nie kultiviert worden war. Er stieß auf den Kopf der Statue. Erst 15 Jahre später, 1928, kehrte er zurück und fand den Körper in einer einen Meter tiefen, mit Ton versiegelten Grube.

  • Tauschgeschäft: In den 1930er Jahren diente die Statue dem Finder als „Währung“: Er gab sie dem Arzt Dr. Antoine Vourc'h aus Plomodiern als Bezahlung für ärztliche Behandlungen der Familie.

  • Beinahe-Verlust: Nach dem Tod des Arztes sollte die Statue nach Chile verkauft werden, um ein Waisenhaus zu finanzieren. Erst im letzten Moment verhinderte ein Unterstützungskomitee 1971 den Abtransport nach Südamerika, sodass sie 1972 vom Musée de Bretagne in Rennes erworben werden konnte.

Ikonographie: Keltische Seele im römischen Gewand

Die ca. 70 cm hohe Statue fasziniert durch ihre Mischung aus kulturellen Einflüssen:

  • Der Helm: Sie trägt einen Helm mit einer außergewöhnlichen Spitze. Während die Form des Helms an die römische Minerva erinnert, ist die Spitze (der „Cimier“) in Form eines Vogels gestaltet. Experten identifizieren diesen heute meist als Wildschwan (früher oft als Gans gedeutet), ein heiliges Tier der Kelten.

  • Die Identität: Archäologen wie René Sanquer identifizierten sie mit der keltischen Göttin Brigit (oder Brigantia). In Irland war sie die Göttin der Weisheit und Heilung. In der gallo-römischen Interpretation verschmolz sie mit der römischen Minerva.

  • Besondere Merkmale: Das Gesicht wirkt melancholisch, die Augen (die vermutlich aus Glaspaste bestanden) fehlen heute. Ursprünglich trug sie eine lange, gefaltete Robe, die bis zu den Knöcheln reichte (der Körper aus getriebenem Bronzeblech ist leider durch die lange Lagerung im Boden stark korrodiert).

Brigitte du Ménez-Hom, Foto: Musée de Bretagne, Rennes – Licence CC BY