Die Pointe du Millier im Sturm
Wer an Winterurlaub denkt, hat meist verschneite Berggipfel und Skipisten vor Augen. Urlaub an der französischen Atlantikküste im Januar oder Februar?
Für viele ein ungewöhnlicher Gedanke, der oft mit einem ungläubigen Kopfschütteln quittiert wird. Doch wer sich darauf einlässt, merkt schnell: So abwegig ist diese Idee ganz und gar nicht.
Wer das Finistère im Winter noch nie selbst bereist hat, trägt oft ein ganz bestimmtes Bild im Kopf: Eine vage, fast mystische Vorstellung von der rauen Atlantikküste mit wilden Winterstürmen.
Es sind die dramatischen Szenen, die wir von kunstvollen Fotodrucken kennen – jene Momente, in denen gigantische Wellen über jahrhundertealten Leuchttürmen zusammenschlagen. Diese steinernen Wächter trotzen seit Generationen den entfesselten Naturgewalten, während ihre Leuchtfeuer selbst im heftigsten Wintersturm den Seefahrern den Weg um die zerklüfteten Landzungen weisen.
Es ist genau diese urgewaltige Schönheit, die den Winter in der Bretagne so einzigartig macht.
Im Sturm an der Pointe de Trénaouret
Diese beeindruckenden Winterstürme sind kein Mythos – es gibt sie wirklich.
Wenn die Tiefdruckgebiete über den Atlantik fegen, erreichen die Böen nicht selten Geschwindigkeiten von 150 Stundenkilometern. Mit brutaler Macht peitschen sie den Ozean auf, bis er mit voller Wucht gegen die Steilküsten des Caps brandet.
Das Ergebnis ist ein Naturschauspiel von unvergleichlicher Intensität: Meterhohe Gischtfontänen schießen wie weiße Wassertürme in den Himmel und hüllen die Küste in einen feinen Salznebel.
Für Fotografen bietet dieses Schauspiel Motive, an denen man sich niemals sattsehen kann.
Doch so magisch die Anziehungskraft der Wellenberge auch ist, sie fordert höchsten Respekt. Die Naturgewalt ist unberechenbar: Immer wieder werden unvorsichtige Beobachter von besonders großen Wellen überrascht und von den Klippen gerissen.
Sicherheit geht vor: Wer das Spektakel hautnah erleben möchte, sollte stets einen sicheren Abstand zum Atlantik halten. Die Schönheit der bretonischen Winterstürme genießt man am besten dort, wo der Boden unter den Füßen fest und trocken bleibt.
Pors Loubous im Sturm. Im Frühjahr 2022 wurde hier eine ganze Familie vom Wellenbrecher in den Tod gerissen. Leichtsinn kann tödlich sein am Atlantik!
Der winterliche Atlantik gleicht einem gereizten Raubtier – launisch, unberechenbar und von einer gefährlichen Schönheit, die einen vollkommen in ihren Bann zieht.
Es ist dieses Spiel der Kontraste, das den besonderen Reiz ausmacht: Während draußen die Naturgewalten toben, genießen Sie in unseren Ferienhäusern die ultimative Geborgenheit.
Wer einmal an einem stürmischen Tag vor dem Kaminofen saß und vom Sofa in Ker Armor oder vom Wintergarten in Tal Ar Mor aus beobachtet hat, wie die meterhohe Brandung an der Küste zerschellt, der verfällt dem faszinierenden Charme des winterlichen Finistère unwiderruflich.
Entgegen vieler Vorurteile ist der bretonische Winter oft deutlich milder als in Deutschland.
Dank der begünstigten Lage am Golfstrom fungiert das Meer als natürliche Heizung. Selbst im Dezember oder Januar ist es keine Seltenheit, dass das Thermometer in Audierne an sonnigen Tagen die 15-Grad-Marke knackt.
In solchen Momenten erwacht das Leben am Hafen: Die Menschen zieht es nach draußen, die Terrassen der Cafés füllen sich und man genießt die warme Wintersonne bei einem Café oder einem Glas Wein – ein fast schon frühlingshaftes Gefühl mitten im tiefsten Winter.
Wenn in Deutschland noch alles grau in grau erscheint, blüht die Bretagne auf.
Bereits ab Mitte Januar vollzieht sich im Finistère ein kleiner Zauber: Während Deutschland oft noch in tristem Grau versinkt, regt sich an der bretonischen Küste bereits unübersehbar der Frühling.
Es ist die Zeit der ersten Vorboten, die das milde Küstenklima für ein frühes Blütenspektakel nutzen. Ein Spaziergang durch die Gärten und entlang der Küste wird nun zu einer Entdeckungsreise für die Sinne.
Schon jetzt öffnen die farbenfrohen Kamelien ihre eleganten Kelche und die leuchtend gelben Mimosen verströmen ihren süßen Duft. Auf den Wiesen und an den Straßenböschungen recken Primeln und andere Frühblüher ihre Köpfe der Sonne entgegen und entlang des Zöllnerpfads leuchtet der Stechginster in einem kräftigen Gelb und bildet einen fantastischen Kontrast zum tiefen Blau des Meeres.
Ab Ende Februar krönen die Magnolien mit ihren großen, stolzen Blüten in den Gärten dieses frühe Erwachen der Natur.
Wer den Winter verkürzen möchte, findet in der Bretagne den perfekten Ort dafür.
Die Osterglocken blühen im Finistère bereits Ende Januar, hier bei uns im Garten
Ginster - und Wildrosenblüten am GR34
Der Winter im Finistère ist kein Urlaub von der Stange – er ist ein Erlebnis für die Seele und für alle Sinne. Wer die Stille sucht und die unendliche Weite fast menschenleerer Sandstrände zu schätzen weiß, wird hier sein Glück finden.
Sicherlich: Der Atlantik zeigt sich zu dieser Jahreszeit von seiner ungeschminkten Seite. Doch wer sich von einer frischen Brise oder einem vorbeiziehenden Regenschauer nicht die Laune verderben lässt, wird reich belohnt. Es gibt kaum etwas Belebenderes, als sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, das Salz auf den Lippen zu spüren und danach in die wohlige Wärme seines Feriendomizils zurückzukehren.
Ein Winterurlaub in der Bretagne ist eine Einladung an alle, die das Authentische lieben, die Natur in ihrer reinsten Form erleben wollen und die Kunst des langsamen Reisens beherrschen.
Die Baie des Trépassés, Ende Dezember.
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