Neben den seltenen Staatsquallen gibt es in der Bretagne hauptsächlich drei Arten von „echten“ Quallen, denen man beim Schwimmen oder bei Ebbe im Gezeitenbecken begegnen kann.
Auf Französisch: aurélie
(Dies ist die häufigste Qualle. Sie ist fast durchsichtig und an den vier markanten, ringförmigen Mustern (ihren Fortpflanzungsorganen) in der Mitte des Schirms zu erkennen.
Gefahr: Keine. Ihre Nesselkapseln können die menschliche Haut nicht durchdringen. Man kann sie bedenkenlos berühren.
Ohrenqualle
Auf Französisch: rhizostome
Oft findet man bei Ebbe große, bläulich-weiße Quallen mit einem markanten violetten Rand im Sand.
Dies sind Lungenquallen (aufgrund ihrer acht Arme auch Oktopusquallen genannt). Trotz ihrer stattlichen Größe sind sie für den Menschen völlig harmlos.
Ein Kontakt mit ihr ist für die meisten Menschen völlig schmerzfrei oder wird nur als ganz leichtes Kribbeln wahrgenommen, denn ihre Nesseln sind so schwach, dass sie die menschliche Haut nicht durchdringen können.
Ein tolles Fotomotiv, das zeigt, wie lebendig der Atlantik vor unserer Haustür ist!
Lungenqualle
Auf Französisch: l'equorée
Die Äquorea ist eine der elegantesten Erscheinungen in den Gewässern der Bretagne. Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein zerbrechliches Kunstwerk aus Glas.
Erkennungsmerkmale: Sie hat einen flachen, linsenförmigen Schirm (8 bis 25 cm Durchmesser), der fast völlig durchsichtig ist. Das Auffälligste sind die zahlreichen dunkelbraunen oder tiefblauen Linien (Radialkanäle), die vom Zentrum wie Speichen zum Rand verlaufen.
Tentakel: Am Rand des Schirms sitzen sehr viele, extrem feine Tentakel.
Gefahr: Bedingt nesselnd. Die Reaktionen sind individuell sehr verschieden. Während viele Menschen gar nichts spüren, können Personen mit empfindlicher Haut ein leichtes Brennen oder Kribbeln wahrnehmen. Sicherheitshalber sollte man sie nicht mit bloßen Händen berühren.
Umgangssprachlich werden alle Quallen, die bei Berührung ein brennendes Gefühl auf der Haut hinterlassen, als „Feuerquallen“ bezeichnet.
In der Bretagne können Ihnen vor allem drei Arten begegnen, die man kennen sollte:
Auf Französisch: La cyanée de lamarck oder la cyanée bleue
In der Bretagne begegnen Sie häufig der Blauen Haarqualle (Cyanée de Lamarck). Sie ist an ihrem leuchtend blauen Schirm und ihren feinen, haarförmigen Tentakeln zu erkennen. Seltener ist ihre große Verwandte, die Gelbe Haarqualle (Löwenmähne).
Vorsicht: Beide Arten brennen bei Berührung! Auch wenn die blaue Farbe wunderschön aussieht, sollten Sie Abstand halten, da die feinen Tentakel im Wasser weit ausfächern.
Die Blaue Haarqualle ist quasi die „kleine Schwester“ der Gelben Haarqualle und perfekt an die Gewässer der Bretagne und des Ärmelkanals angepasst.
Aussehen & Farbe: Ihr Schirm ist meist leuchtend blau bis violett, im Zentrum oft dunkler. Die Ränder sind eher transparent.
Größe: Sie bleibt mit einem Durchmesser von 15 bis 30 cm deutlich kleiner als die „Löwenmähne“.
Die „Haare“: Genau wie ihre große Verwandte hat sie extrem viele, hauchfeine Tentakel, die wie eine Mähne im Wasser hängen. Diese sind zwar kürzer als bei der gelben Variante, aber immer noch lang genug, um Schwimmer zu überraschen.
Vorkommen: Sie ist ein typischer Bewohner der Bretagne. Laut Ifremer und dem Parc Naturel Marin d'Iroise taucht sie vor allem zwischen Mai und September auf, wenn das Planktonangebot hoch ist.
Gefährlichkeit: Sie ist urticante (nesselnd). Der Kontakt verursacht ein brennendes Gefühl und Hautirritationen, ähnlich wie bei einer Brennnessel.
Blaue Haarqualle am Strand
Auf Französisch: crinière de lion (Löwenmähne)
Laut dem französischen Meeresforschungsinstitut Ifremer ist die Gelbe Haarqualle eine der imposantesten Erscheinungen an unserer Atlantikküste. Sie ist nicht nur groß, sondern hat auch eine spannende Geschichte:
Beeindruckende Maße: Ihr Schirm kann einen Durchmesser von 50 cm bis zu einem Meter erreichen.
Das „Netz“ der Tentakel: Sie besitzt rund 150 (manche Arten sogar bis zu 800) hauchdünne Tentakel. Diese können im Wasser eine Länge von 20 bis 30 Metern erreichen – ein riesiges, fast unsichtbares Fangnetz für Fische und Plankton.
Ein Fall für Sherlock Holmes: Wegen ihrer Gefährlichkeit hat sie es sogar in die Weltliteratur geschafft. Sir Arthur Conan Doyle ließ seinen Meisterdetektiv Sherlock Holmes ein mysteriöses Verbrechen aufklären, bei dem die „Löwenmähne“ die Hauptrolle spielte.
Sie wird im Volksmund auch Feuerqualle genannt und ist an ihrer gelblich-roten bis bräunlichen Farbe und den sehr langen, feinen Tentakeln zu erkennen.
Gefahr: Diese Qualle kann unangenehm nesseln. Der Kontakt verursacht brennende Schmerzen und Hautrötungen, ähnlich wie bei einer Brennnessel.
Erste Hilfe: Hier hilft Essig hervorragend! Die Stelle großzügig mit Essig abspülen (oder mit Salzwasser, niemals Süßwasser) und die Reste wie beim Petermännchen vorsichtig mit Sand abscharren.
Auf Französisch: méduse rayonnée
Diese Qualle ist sehr leicht zu erkennen: Auf ihrem gelblich-weißen Schirm hat sie ein braunes Muster, das an die Striche einer Kompassrose oder an V-förmige Segel erinnert.
Wirkung: Die Berührung ist schmerzhaft und führt zu Nesselausschlägen, die aber meist nach kurzer Zeit wieder abklingen.
Auf Französisch: pélagie
Entgegen der oft verbreiteten Meinung, Leuchtquallen seien klein, weist das Forschungsinstitut Ifremer darauf hin, dass diese Art eine stattliche Größe erreichen kann. Ihr Schirm kann einen Durchmesser von bis zu 50 Zentimetern messen.
Wirkung: Ihr Nesselgift ist recht stark und verursacht ein heftiges Brennen auf der Haut.
Farbenspiel: Die Färbung ist ein guter Hinweis zur Bestimmung – während die Männchen oft in einem kräftigen Violett leuchten, sind die Weibchen eher bräunlich gefärbt.
Leuchtkraft: Ihr Name rührt von ihrer Fähigkeit her, bei Berührung oder Wellenschlag im Dunkeln bläulich-grün zu leuchten (Biolumineszenz).
Saisonalität: Obwohl sie Bewohner der hohen See sind, werden sie besonders in den Monaten November bis Mai häufig in Küstennähe getrieben.
Wirkung und Gefahr: Die Leuchtqualle ist für Schwimmer und Wassersportler besonders unangenehm. Ein Kontakt im freien Wasser kann heftige allergische Reaktionen auslösen. Die Symptome reichen von starken Verbrennungen der Haut bis hin zu ausgeprägter Nesselsucht (Urtikaria). Da sie oft in großen Schwärmen (Proliferationen) auftreten, sollte man bei einer Sichtung das Wasser am besten meiden.
Sollten Sie mit einer dieser drei Arten in Berührung gekommen sein, bewahren Sie Ruhe und folgen Sie diesen Schritten:
Kein Süßwasser: Spülen Sie die betroffene Stelle niemals mit Leitungswasser oder Mineralwasser ab. Dies bringt verbliebene Nesselkapseln zum Platzen. Nutzen Sie ausschließlich Meerwasser.
Die Essig-Methode: Essig ist das beste Mittel gegen das Gift dieser drei Arten. Er deaktiviert die Nesselzellen sofort. (Hinweis: Bei der Portugiesischen Galeere ist Essig umstritten, aber bei diesen drei klassischen Quallenarten hilft er sehr gut!)
Reste entfernen: Tragen Sie feuchten Sand auf die betroffene Hautpartie auf, lassen Sie ihn kurz antrocknen und schaben Sie ihn dann vorsichtig (z.B. mit einer Kreditkarte) ab, um die Nesselfäden mechanisch zu entfernen.
Auf Französisch: salpes
In sozialen Netzwerken und Bretagne-Foren taucht nach Stürmen oft die Frage auf: „Was sind das für gläserne Gummiteile am Strand?“ Meist handelt es sich dabei um Salpen.
Aber keine Angst, Salpen sind keine Quallen, sondern „fast“ Wirbeltiere Auch wenn sie sich gallertartig anfühlen und durchsichtig sind, gehören Salpen laut Ifremer biologisch nicht zu den Quallen. Tatsächlich sind sie (als Manteltiere) näher mit den Wirbeltieren verwandt als mit den Nesseltieren.
Salpenkette
Aussehen:
Sie sind meist nur wenige Zentimeter lang, fast perfekt transparent und tonnen- oder zylinderförmig.
Besonderheit:
Man findet sie oft als einzelne „Gelee-Perlen“ oder in langen, beeindruckenden Ketten, in denen hunderte Tiere aneinanderhaften.
Lebensweise:
Sie sind harmlose Filtrierer, die sich von Phytoplankton ernähren. Sie können sich nicht aktiv gegen Strömungen wehren und landen daher oft in großen Mengen an den Stränden.
Die wichtigste Nachricht für Strandbesucher:
Salpen sind völlig harmlos. Sie besitzen keine Nesselzellen und brennen nicht. Man kann sie (und sollte sie, wenn sie noch leben) bedenkenlos zurück ins Wasser befördern. Sie sind ein Zeichen für ein gesundes, nährstoffreiches Meer.
Auf Youtube zeigen wir Ihnen das schönste Ende der Welt:
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